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Menschen nnr für das klügste der Thicrc. Nachmals erfahr ichin der Schale, der Mensch sei durch seinen vernunftbegabten, un-sterblichen Geist über jedes Thier erhaben. Ich glaubt' es; dochwunderte es mich, daß die Leute inehr Sorg' und Mühe für dasverwendeten, was sic mit den Thieren gemein haben, als für das,wodurch sie über dieselben erhaben stehen. Späterhin gab manmir Bibel und Katechismus in die Hand; sagte, das sei GottesWort; ich müsse es glauben; nicht daran deuteln; die Vernunftsei ein gefährliches Ding; ich müsse sie unter dem Glauben ge-fangen nehmen. Ich ließ mir's gefallen; gehorchte den Mahnun-gen der geistlichen Herren, wiewohl sich die gesunde Vernunft oftetwas widerspenstig gegen den Glauben geberdcte. Dies geschahnoch öfter, als ich vernahm, daß es der GlanbenSartcn und Glau-bensbekenntnisse eine Menge in der Welt gäbe, aber in allenMenschen immer nnr eine und dieselbe Vernunft.
So entstand natürlich die Frage: unter welchem Kirchcnglan-bcn soll man, als ein vernünftiger Mensch, die gefährliche Ver-nunft gefangen nehmen lassen? In allen Religionen und Religions-Parteien zanken die Priester darüber. Jeder behauptet, in derseinigen sei die allein wahre und alleinseligmachende Lehre; injeder andern Jrrthum und fluchwürdiger Unglaube. Ueberall be-ruft man sich zu dem Ende auf eigene GotteSgcsandte, die dasNeberirdischc offenbart haben; auf Wunder, die vor alten Zeitengeschehen sind; auf heilige Bücher, deren Inhalt aber von denmancherlei Sekten einer und derselben Religion ganz verschiedenausgelegt wird.
Die Wcltwcisen und Gottesgelehrtcn der hohen Schulen, zuderen Füßen ich saß, vermehrten durch Zwietracht ihrer Ansichtenmeine Verwirrung, statt sie zu lösen. Ich fand zuletzt, weil jederseine eigene Meinung habe, ich wohl auch der meinigen sein dürfe;fand, daß der ungleiche Standpunkt der Menschen, daß die Un-