Erdbodens werden. Was die Dentschcn vermögen, i» einem kurzenZeitraum vermögen, haben die, welche unter Friedrich dem Einzi-gen lebten — die Preußen — bewiesen. Eine Nation, so klein, soarm am Gnustbezeugungcn der Natur, so weit hinter Franzosenund Engländern zurück, sprang ans und machte die Kultnrschritteini Zeitraum weniger Jahrdekadcn, wozu jene Periode» von Jahr-hunderte» nöthig hatten.
Es ist wahrlich eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn man eineNation mit der andern vergleicht, um die eine auf Unkosten derandern zu tadeln. Talente lassen sich, wenn man billig oderselbstgerecht urthcilcn will, nicht mit einander messen, nicht imVcrhältniß zu andern preisen oder schelten, sondern nur die Aus-bildungen allein sind's, welche Lob oder Tadel verdienen, dennsic sind nichts von der Natur Gegebenes, sondern durch Willkürund Fleiß Erworbenes.
Die Deutschen haben vorzüglich die Kleinmüthigkeit, nie sosehr einen Werth ans das zu setzen, was ihnen cigenthümlich ist,als ans das, was andern Nationen vorzugsweise (oder vielmehrersatzweise) angehört. Sie fühlen ihren herrschenden Mangel anWitz, bemerken aber ihren Scharfsinn nicht, welcher den Fran-zosen abgcht, die bei ihrer Lebhaftigkeit zehnmal irren, inzwischender ruhige, systematische Deutsche einmal fehlt. Man macht unszum Bvrwurf, daß wir den Franzosen nicht in der leichten Ge-wandtheit des Styls, in der Politur des Konversationstones, inder Grazie ihrer Einkleidung gleichkommcn, wodurch sie selbst demunbedeutendsten Einfall ein gewisses Interesse mitthcilcn; über-sieht es aber, daß wir ganz andere Zweige der schonen Literatur,die epischen, lyrischen und didaktischen Gattungen der Dichtkunstungleich mehr, als jene bearbeitet, vortrefflichere Werke, als sie,darin ansznweisen haben, wir in der Kultur eine weit jüngereNation!-So wie hier, ist es der Fall in hundert andern