gelahrt ii. s. w., als daß man sich unterstünde, auf Kosten desUnsinns wider die Etikette zn sündigen.
Die Engländer haben weit mehr elegische Dichter; Franzosen»nd Italiener mehr Anakreontcn. Das Trauerspiel ist von jenenvoll tiefer Empfindung, erschütternd, oft gräßlich, immer aber vor-züglicher als ihr Lustspiel; umgekehrt ist der Fall bei diesen, woalle Laune sich ans das Lustspiel lenkt und das Trauerspiel beiweitem minder kraftvoll ist. Das ernste oder rührende Drama istin Deutschland zn Hanse; die Franzosen wissen nicht, was sie ausdem Bastard mache» sollen, welcher weder Lust- noch Trauerspielgenannt werden kann, und wobei sie verlegen sind, ob sie lachenoder weinen müssen. — Die Satyrc der Engländer und Deutschenist eingreifend, bitter, bei den Südländern mehr spielender Mnth-wille; dort ätzender Pfeffer — hier kitzelndes Salz. — Sv wiedas ernste Drama, scheint auch das Lehrgedicht mehr Sache derNordländer zu sein. Ossian, Milton, Klopstvck sind inihren epischen Werken vorzüglich Meister, sobald sic klagen, rüh-ren, erschüttern, ergreifen; Ariosto, Tasso, Voltaire, jaselbst Homer, unnachahmlich, sobald sie sanftere Empfindungenund weichere, lachendere Scencn malen.
In der Liebe schwärmt der Deutsche, girrt der Italiener,tändelt der Franzose. Der Südländer ist sclbstgcnügsam, vollerNationalstolz in Bezug ans seine Kultur der Sitten, Wissenschaftund Künste; der Nordländer ist fleißig, nnermüdet, nachahmcnd.Engländer und Deutsche durchreisen alle Gegenden, lernen allent-halben und vereinen mit dem, was sie an Vorzügen durch dieNatur empfingen, die Eigcnthümlichkeiten und Schätze des Aus-landes. Wären besonders die Deutschen weniger durch ihren klein-lichen Religionsgcist und die Form ihrer Regierungsartc» gefesselt:so würden beide Nationen vermittelst ihres Fleißes und ihrer Selbst-verlängnnng in glücksicht der Kultur bald die ersten Völker des