ungeachtet die Inquisitoren alles, was ich sagte, schon gcnan wuß-ten, wie ich merken konnte; »»geachtet meine Papiere nnd Brief-schaften, die, nebst denen von Clermvnt vor ihnen anfdem Tische,jede meiner Aussage» bestätigen mußten, setzte» sie dennoch, wieich aus ihren Mienen schloß, Mißtrauen in meine Worte. Wasaber das Seltsamste war, sie läugnetcn mir es geradezu ab, daßElcrmont die schone Meniea liebe. „Ihr beide," sagte der hagerePfaff, „führt boshaftere Absichten im Schilde. Ich kenne euch.Die vorgebliche Liebschaft ist nur ein Mahrchcn. Gesteht demheiligen Gericht die Wahrheit, oder ihr seid aller Gnade ver-lustig."
Der Mönch sprach die Worte mit einer donnernden Stimme,»in mich zu erschüttern. Er erfuhr darum aber nicht mehr vonmir, weil ich in der That nichts mehr zu sagen wußte. Ich batnun, mir zu entdecken, welches Verbrechens ich verdächtig sei?Oder mich nur auf die Spur zn bringen, worin ich mich versün-digt haben konnte?
„Suche diese Spur in dir selbst auf. Du bist ein Ketzer undder Ketzer Freund," sprach der Präsident mit funkelnden Angen:„Das klebrige sag' uns selbst."
Ich schüttelte den Kopf. Er winkte. Man brachte mich inmein Gefängniß zurück.
Die Langeweile im Kerker nnd die ungewisse Erwartung desSchicksals sind die fürchterlichsten Foltern. Ich war nnschnldig —aber in der Gewalt der Inquisition! Wie mannigfaltig kann mannicht diesem Glaubensgericht verdächtig werden, dessen zahllose,lanersame Soplones, oder Spione, durch ganz Spanien schleiche»!Es ist genug, ein verbotenes Buch zu lesen, ein Wort zu sprechen,welches Andern Acrgcrniß geben könnte, oder Gleichgültigkeit gegenHeiligenbilder zn äußern, um als Ketzer ergriffen zn werden.Welchen abscheulichen Despotismus übt dieses Gericht über die