Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

276

wohnlich zuviel cinbüßcng alle» Heiligenschein, mit welchem siemeine Verehrung umwebt hat. Gestalt, Kleidung, Stimme,Blick, Bewcgungswcise, jede Art zu sein, Pflegt ihnen, nach Maß-gabe ihrer außerordentlichen Geisteseigenschaftcn, unsere freigebigePhantasie im Voraus beizulegen. Es ist dann die widerlichsteEmpfindung von der Welt, den ungemeinen Mann, im Gegensatzvon sich selbst, ganz gemein und statt des Hvchmcnschlichcn dasNiedrigmenschliche zu erblicken. Und doch ließ ich mich, guter Ge-sellschaft zu lieb, verführen, Vvltaire's Zimmer zu besuchen.

Ich trat in ein geräumiges, aber verwittertes Gemach mitverblichenen Möbeln. Alles im altsranzösischcn Styl aus denModetagcn Ludwigs XV. Armsessel mit krummgcschwciftcn Nücken-lehncn und eben so krummen Dachsbeinen; eine bauchigst', glanz-lose Kommode; ein Bett, mit zcrlapptcm Teppich bedeckt; darüber,in verschossenen Farben, ein Betthimmel, an Form den ehemali-gen Kursürstenmützcn ähnlich, von welchem noch das obere Drittelder ehemaligen Nmhängc zerrissen niederflattert. Die zwei übrigenDrittel sind entweder von Mäusen oder Ratten verzehrt, oder,was mir wahrscheinlicher ist, stnckwcis von Bewunderern des Sän-gers der Hcuriade, zum Andenken, in alle Wcltgcgcnde» verschleppt.Unter dem Betthimmel oder über dem Bett das Bild LekainSan der Wand; über dem Nachttisch daneben Vvltaire's Bild ausjüngern Jahren; das Bild Friedrichs II. von Preußen auf derandern Seite. An einer andern Wand das Kvpfbild von Katha-rina II., gegenüber die Marquise du Chatelet, als Knicstück.Rechts, ohnweit der Marquise, ein breiter, alterthümlicher Ka-min; ihm gegenüber links in einer Maucrblende, statt des Ofens,eine steinerne, mit geschmacklosem GesimSwcrk nmgürtctc Pyra-mide, die eine Art Mausoleum vorstellcn soll. Wenigstens wirddies von der Uebcrschrift in großen Buchstaben mit den Wortenverkündet: »Ass rnänss sont eonsolss, puisquv inon ooeur ost