Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
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Aber kaum findet sich ein Fleck dieses Erdbodens, der den Eindruckdes Erhabenen mit solcher Gewalt in die Seele des Beschauersdrängte. Man wandelt hier an den Grenzen der bewohnten Welt.Das Leben der Natur ist erloschen. Todte Eismassen decken ihrGrab. Rechts steigt eine silbcrbleichc Pyramide über das Ge-wölk empor. Es ist der 11,21» Schuh hohe Muretto. Linksdehnt der Scptimc.r die Zacken seines Felscnkammes zwischengroßen Schncelagcrn aus einander. Dort nun, oberhalb der Ma-loya noch, zwischen den Trümmern verwitterter Scrpcntinselsenund zerstörter Gletscher, erscheint ein dunkles, kleines, stilles Ge-wässer, Lago di Lngni genannt. Es ist-ein Bcrgsce; klar undkalt; Urne eines Flufigottes. Der Jnnstrom oder Oen ent-springt daraus. Ohnweit von hier sind auch die Quellen des Hin-tcrrhcins, in schauerlicher Gegend- die mit dem Namen des Pa-radieses geschmückt wird, vcrmnthlich des verlornen. Auch dieMaira .rinnt in der Nachbarschaft ans den Eisgcwölben hervor.

Bon hier macht der Inn seine» Lauf 7» Meilen weit, bis er,bei Paffau, seinen Wasscrschatz in die Donau stürzt. Dort rauschter ans dem Gebirg, als großer Strom daher, genährt von hun-dert Gletschern, deren Sohn er ist. Neben ihm erscheint dieDonau als geringer Scitenflnß. Sie hat, bis zur Vereinigungmit ihm, eine mindere Länge. Und doch raubt sie ihm dort denName», den er, bis zum Gestade des schwarzen Meers zu tragen,mehr verdiente, als sie den ihrigen. Wohl mancher Vergessenehat die große That vollbracht, mit deren Lorbeer» bekränzt einDritter zur Nachwelt geht.

Um den Lngni-See waltet Tvdesstille. Dann und wannwird sic vom Wicderhall fernen Laninen-Donncrs, oder von einemschneidenden Windzug gestört, der zwischen dem Geklüft der Fel-sen seufzt. Je höher man in die breiten Schncegefildc hinanfsteigt,die kein Sommer hinwegthut, je ernster wird das Gemüth dessen,Zsch. Nov. XIV. 6*