Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
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bahn. Nur Außerordentliches, Riesenhaftes, Ucbermcnschlichcs istseiner Bewunderung Werth. Da paaren sich Rohheit und Zartge-fühl, Grausamkeit und Eoclmnth, Freiheitsstolz und Kncchtsgcist,Ueppigkeit und Weltcntsagung. Der Barbarcnstaat hat nur Leib-eigene und Bevorrechtete; Erbadel und Priesterthnm, despotischeGöttcrsöhnc oder die Gottheit selber auf dem Thron, von Altar-dicncrn umgeben. Jni Wesen der Majestät wohnt ihm Ueber-natürlicheS; die Religion wird entweder schwärmerische Andachtund Wnndersucht, oder trockene Wcrkheiligkcit. Es fordert derBarbar dem Frieden prunkvolle Feste, glänzende Spiele, alleWollüste des Lebens ab; dem Kriege hinwieder Niescnthatcn undAbenteuer. Er vergöttert die Geliebte, kämpft und stirbt für denRuhm ihrer Schönheit, und verwandelt sic in der Ehe zur Skla-vin seiner hanSherrlichen Hoheit.

Unter dem Walten der Fantasie und ihres Zaubers geht diekindliche Angcnlnst am bunten Glanz und rohem Pomp, am Wnn-dcrhaftcn und Gigantischen, allgemach znm edler» Geschmack über.Kein Lebensalter der Nationen ist der Entfaltung des Knnstsinnnsgewogener, als das ihrer Barbarei. Tanz, Malerei, Baukunst,Bildnerei, Dichtung und Musik treten der Vollendung entgegen.Da steigt das Altcrthum in Verklärung ans den Nebeln der Sa-gen; von dorther strahlt die goldene Zeit mit ihren Paradiesen,wo die Götter noch menschlich schwach, die Menschen göttlich großans Erden wandelten. Die Helden der Halbwilden sind dem Bar-baren Heroen und Giganten geworden; und, mit abergläubigerEhrfurcht, zollt er ihren Enkeln noch Huldigungen, als wäre vomGeblüt der Unsterblichen, Gottartiges in ihren Lidern vererbt.

Aber cs kommen die Jahre, da jene Unbändigkeit des Gefühlsund der Einbildungskraft dem überlegener gewordenen Verständeweicht, das Brausen des Jünglings Bedachtsamkeit des Manneswird und der Barbar znm Halbbarbaren heranreist.