Schon bei Schaffhanscn bricht sich der Strom an einzelnenvortauchenden Klippen. In schöner Bogenlinie siuthet er zwischenjähen, dunkelgrünen Hügclwelien z» der verhängnißvollen Stelle.Immer häufiger werden die Felsrisse seines Bettes; immer mehrlösen sich die silber-grünen Wasser zu Milchschaum auf. Noch sindan einzelnen klaren Stellen die Stcinbänke, von Waffersiechtengebrannt, über die er hingleitet, sichtbar. Nun aber plötzlich brichtdie Strommaffe. Sic wird zur Schneelauine an blendender Weißeund Wuth des Sturzes; zermalmend sausen zwischen vier Fels-thürmen die Waffcrberge in den 60 bis 70 Schuh weiten Schlundhernieder; Staubsäulen fahren wirbelnd in die Lüste und nm-schwärmen wie silberfarbenes Gewölle die Klippengipfel, — undein ewiges Donnergetöse, zwischen welchem oftmals hinein einleises, fernes Glockengelänte zu tönen scheint, füllt mit seinemWiderhall die Wände des Gebirges. Aber der Mensch steht beidiesem Anschaucn sich selbst vergessend da. Das wechselnde Trei-ben und Verschlingen, Jmmerkommen und Jmmerforteile» der Ge-wässer führt das Bild der Ewigkeit in der Natur Vor die Seele,und während so die Phantasie mit glühenden Flügeln vor der Un-endlichkeit verweilt, zittert ein banges Gefühl von menschlicherOhnmacht und Kleinheit durch alle Nerven hin.
Ich habe immer gefunden, es könne ein Wasserfall, nnd zumaldieser, nicht gemalt werden. Denn immer sieht er, nnd wenn sichauch der trefflichste Künstler daran wagt, wie gefroren aus. Dierastlose Bewegung, die keinem Pinsel Stand hält, ist ja daseigentlich Wescnhafte seiner Schönheit. Nu» finde ich aber auch,er könne sogar nicht einmal beschriebe» werden. Immer bleibtdas lebendigste Wortbild arm hinter der Wirklichkeit zurück.
Das Farbenspicl dieser brausenden Wasscrwelt ist wirklich zau-berhaft; es wechselt unaufhörlich je nach der Beleuchtung. Andersist es beim Gewitterhimmel, anders in den Frühstunden eines