Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

9l

andern Ländern. Sondern daß auf einem Flächcnranm des Erd-bodens von so mäßiger Ausdehnung ein so greller Abstich der ver-schiedenartigsten Zustände alles gesellschaftlichen Daseins nebeneinander besteht, wie sonst nur zwischen Nationen und Nationengefunden wird. Dieß erblickt man nicht leicht. In wenigen Tag-reisen kann man hier alle Gcstttnngsstufcn der europäischen Weltdurchschreiten, vom feinen Ton gebildeter Hauptstädte bis zur Le-benScinfalt der Nomaden im Gcbirg. Von Kanton zu Kanton ge-langt der Reisende nicht bloß in andere Staaten, sondern wirdauch in ganz andere Volksthümlichkciten versetzt, deren Sprachen,Mundarten, Kleidung, Wohnungen, Beschästigungsweisen, Cha-rakter, ja deren Nationalphystognomien sogar auffallend von ein-ander abweichcn. Die Bevölkerung der Schweiz ist in der Thatnur aus Trümmern vieler Nationen zusammengesetzt, welche inden Stürmen längst vergangener Zeitalter nntergegangen, ihreUeberbleibsel zwischen diesen Felsen liegen ließen. Hierher rettetensich schon ein halbes Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Etrus-kische Flüchtlinge, deren Enkel noch heut zn Tage in den rhä-tischen Hochthälern die alte romanische und ladinische Sprachereden; hierher die Trümmer des Cimbrischen und Teutoni-schen Hceresznges, die Marius schlug; noch heut zn Tage be-urkundet ihre Verwandtschaft mit den Völkern Skandinaviens dieAehnlichkeit des Menschenschlags, der Namen und alterthümlicherSagen. An andern Orten findet man hinwieder Spuren derHunnen. Hier wurden die ansäßigen Römer, nach Erlöschungihrer Weltherrschaft, Leibeigene der Allemanen, Burgunderund Gothen, bis auch diese wieder von den Franken gleichesLoos empfingen. Während die ebener» Länder des Welttheilsunter beständigen Kriegen und Wanderungen fremder Völker seltendie herkömmlichen Formen alter Sitten andauernd bewahren konn-ten, war es anders in den Wald - und secreichen Hochlanden. Die