Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
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des Fremden und ging ihm fragend entgegen. Es war ein Bur-ger der Stadt, ein biederer Handwcrksmann.

Mit freundlichem Gruß, doch etwas verlegen, nahte er sichund sprach:Ich erscheine hier in ganz besonderer Angelegenheit.Wollen Sie die Güte haben, mir zu sagen, ob Sie, oder sonstJemand Ihres Hauses etwas Werthvolles verloren hat? Ichmeine einen goldenen Fingerring."

Madame Jansen, nmhersinnend, gab mit Kopfschütteln ver-neinende Antwort; so ganz vergessen war Gottfrieds ehemaligerVerlust. Plötzlich erinnerte sie sich desselben; und mit einer Miene,die zum Theil Hoffnung, zum Theil Nichtglaubcn, äußerte, sagtesie:Es konnte möglich sein! Einer meiner Söhne hatte einmalden seinigcn verloren, ganz in der Nähe nnsers Hauses. Dochist's schon vor langer Zeit. Fünf volle Jahre sind's seitdem."

Könnten Sic mir den Verlornen näher bezeichnen?" fragteder graue Mann weiter.

So viel ich mich dessen noch erinnere," antwortete MutterJansen:war er einfach glatt, aber von ziemlicher Schwere undStärke."

Wissen Sie mir nicht noch ein besonderes Kennzeichen vonihm zu geben?" fuhr der Fremde in seinem Verhör fort.

Ja Wohl, ich besinne mich eben!" erwiederte sie:Im In-nern des Ringes standen zwei Buchstaben eingegraben: die An-fangsbuchstaben des Namens Josephs. Velito, also 1. V."

Richtig. So ist's der Ihrige; ich dacht' cs wohl!" rief, mitsich selber zufrieden, der ehrliche Handwcrksmann; zog den golde-nen Trauring aus der Tasche und überreichte ihn mit den Worten:Jedem das Seine! sagt das Sprichwort. Sie werden ihn wohlerkennen."

In angenehmer Bestürzung betrachtete sie das schwer vermißteKleinod lange Zeit auf allen Seiten, von innen und außen.Er