Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
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Trauer, wen» er gedachte, daß er den scheusten Festtag seinesLebens ohne Thellnahmc seiner Aeltern und Geschwister feiern, unddiese an den Pforten des Todes wissen sollte, während er an denSchwellen seines irdischen Paradieses stand. Er besuchte dasVaterhaus, bevor er sich zur ängstlich harrenden Braut begab,sie zum Altäre zu führen.

Als er dies thcure Hans aber von ungewohnter klösterlicherStille umgeben fand; als er die thcure Mutter und seine jungenBrüder entstellt »nd leidend in ihren Zimmern vereinzelt nur anseiner gewissen Ferne sah; sich ihnen nicht einmal nähern durfte,um Ansteckung zu vermeiden; keinen Segen, keinen Kuß von ihrenLippen empfing, da übcrmannte ihn schmerzliche Bangigkeit,Er wollte auf die nahen Freuden der Vermählung verzichten, bisdie Gesammtheit seiner Lieben ihnen beiwohnen könnte.

Mit Nichten!" sagte Vater Jansen:Geh du deinen Weg;laß du das Schicksal den scinigcn gehen. Nimm, was dir dieStunde der Gegenwart lächelnd bietet, und verschmäh' cs nicht,weil dir die nachfolgende weinend begegnen kann, ES ist die Thor-heit des Menschen, welche das Mißgeschick des Augenblicks zumMißgeschick von Tagen nnd Monden erweitert, weil sie mit Furchtvor Möglichkeiten schon das Unglück anhebt, eh' es da ist; undmit beständigem Rückblick darauf verlängert, wenn es längst schonvergangen ist. Fort mit dir, fort! Flieg' an das Herz deinerBraut. Unsere Kranken werden in stiller Mitfreudc an deinenFreuden leichter genesen, als durch das Leid, sie ihretwillen zer-stört zu wissen."

Gottfried trennte sich mit schwerem Herzen von Vater undMutter. Er eilte in die Arme seiner Geliebten. Die Hochzeitward im dazu erlernen Bcrgdorfe, im lückenrcichen Kreise derVerwandten, still, mit halbcrzwungencr Fröhlichkeit, gefeiert.