Der Weinberg des Herrn sind Vernunft und Herz;
Drin pflanzte der Heiland allcrwärtSDer Lieb' und der Tugend Reben,
Doch Satan auch Unkraut daneben.
Daö Unkraut überläßt mau den gläubigen Lai'n;
Für sich behalten die Herren den Wein.
Da haben Sie mein Glaubcnsbckenntniß. Frischauf und wohlge-inuth! Weg mit dem prophetischen Firlefanz, von Ringvcrlnstund Halmcnkranz!"
Der Professor Grübelich zupfte ärgerlich de» kleinen Zopf wie-der hervor, der sich in den Rockkragen verkrochen hatte, undsagte: „Nun denn, wie Sie wollen. Ich wünsche Glück vonganzem Herzen."
„Aber, nicht wahr, mit bangem Herzen?" spottete der Bcrg-dircktor lustig nach, indem er den gelehrten Herrn ergriff undfreundlich schüttelte, als wollt' er ihn aus einem schweren Traumwecken.
7. Die freudenlose Vermählung.
Eines Tages sah man den sonst hcitermüthigen Greis stillund ernst, mit verschränkten Armen, vor seinem Landhause auf-nnd abwandeln. Er beachtete kaum den Gruß der Vorübergehen-den, die ihm seitwärts mitleidige Blicke zuznwerfen schienen. Eswar ein warmer, Heller Septembcrtag; nur einige Wochen nachjener Unterredung. Alle Fenster des Gebäudes standen weit ge-öffnet; aber keine Bewegung, kein menschlicher Laut ward ausden Zimmer» vernommen. Der Garten lag öd' und »»besucht.Selbst der Knaben fröhliches Getümmel, Lachen, Rufen undSingen war verstummt, den Nachbarn ungewohnt. Ein bösarti-ges Nervcnstcber hatte die ganze Familie, nur den Vater undLinchcn ausgenommen, ergriffen, und Einen nach dem Andern der