Wohlan, was ist nun auS Ihren Augurien und Orakeln, wie Siees nennen, geworden? Halt" ich Recht?"
Mit flüchtigem Achselzucken, nnd Aufzncken der Unterlippen,eine Unentschiedenheit bedeutend, antwortete der betagte Schul-mann: „Bis jetzt, allerdings! — Ob später?-Ich wünsch'
es von Herzen, mein streitfertiger Freund. Trinmphircn wir nichtzu früh. Sie kennen meine Bedenklichkeiten. Wir leben in einerZeit, wie jene, die dem dreißigjährigen Krieg voranging. Gäh-rnngcn überall; Völker nnd Fürsten verstehen sich nicht mehr. DieEinen ziehen links, die Andern rechts; mitten inne stehen Nun-tiaturen, Klöster, Jesuiten, Generalsnperintcndenten nnd Hetzen,treiben, jagen nnd peitschen Hirten nnd Hecrdcn aus einander."
Der Bergdirektor machte bei dieser wunderlichen Rede großeAugen nnd rief: „Was, in aller Welt, Freund Nachbar, fichtSie plötzlich an? Oder was haben die Fürsten, Völker und Nun-tiaturen mit der Hochzeit meines Sohnes zu schaffen?"
„Ihre Brautleute sind verschiedenen Glaubens, wenn ichdenn deutlicher werden soll," sagte Herr Grübclich: „Wird einprotestantischer, oder katholischer Geistlicher die Ehe einsegnen?"
„Ich verstehe, wohin Sie zielen," versetzte Herr Jansen: „InGlauben, Meinung und Ucberzeugnng stimmt kein Mensch mitdem andern überein. Jeder hat seine eigene, innere Religion,nnd ändert sie mit dem Hellerwerdcn seiner Begriffe, vom Kindes-bis zum Greisen - Alter. Das ist Naturnothwendigkeit, das istGottes Werk; hindert nicht an Liebe, Treue nnd Herzensgktc.Alles Acußere ist bloße Zuthat, Wortwcrk, kirchliche Uniform.Mein Gottfried gehört ja zur protestantischen Gemeinschaft, welchegegen das Tragen von Symbolcnfeffeln protestirt. Ein protestan-tischer Geistlicher wird die Trauung vollstrecken."
„Leicht gesagt, mein Herr Freigeist!" crwiederte der Professor:„Nur denken Sie an die Folgen! Die alleinseligmachende Kirche