68
abergläubisch sein können. Denn dreimal, ich sage dreimal schonbüßt' ich meinen Hochzcitring ein. Er entfiel mir einmal vomFenster in einen tiefen vcrgrasetcn Schloßgraben; einmal ging eran einem Brunnen, einmal sogar im Kehricht verloren. Jedes-mal blieb er Jahr und Tag verschwunden. Was niciust du, daßes bedeutete? Sieh hier in meinem Arm unser» lieben Papa! Wirleben, du weißt es, die glücklichste Ehe. Sich hier den Hoch-zeitring in meiner Hand. Immer fand er fich ganz unverhofftwieder ein, wenn er fast vergessen war. Glaube mir, auch derdeinige kehrt wieder zurück."
Er kam aber nicht zurück, wie unermüdet immerhin die freund-lichen Hausgenossen Tag und Nacht auf Entdeckung ausgingcn.Er kam nicht, obgleich es sogar abermals ein Halmenkranz, ingrößter Heimlichkeit gewunden, mit Sicherheit versprochen hatte.Wenn die junge Braut sich einen Augenblick lang allein überlassenwar, saß sic still nnd traurig da. Alle fühlten Mitleidcn.
Nur Vater Jansen war hartherzig genug, bei guter Laune zubleiben und mit der ganzen Geschichte Scherz zu treiben. — „Hört,Kinder, laßt das liebe Mädchen in Ruhe!" sprach er: „Ihrwißt nicht, was ihr thut. Selbst das Honigsüße des Braut-standes hat endlich faden Nebengeschmack, wie jede andere Süßig-keit. Den sich zu benehmen, mischt unsere Joseph« sich selbereinen Tropfen Bitteres hinzu. Das ist Instinkt der Mcnschen-natur! Die höchste Lust des Glücks wird durch Furcht vor dessennahem Ende gemildert, und der Schmerz des Unglücks durch Hoff-nung auf dessen Vorübcrgang. Beide würden sonst unerträglichsein. Wißt ihr denn nicht, daß die innigste Freude in Thräncnübergeht; und im tiefste» Leiden ein stolzer Scelenmuth uns überdie Gewalt des Schicksals beseligend erhebt? Nur still, die schwarzeStunde wird nicht auSbleiben, in deren Finsterniß die Schatten-bilder der ängstlichen Mädchen-Phantasie von selbst verschwinden."