Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
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„O Gottfried, mein Gottfried!" seufzte sie zitternd: „Einzweites böses Vorzeichen, nur Wiederholung, nur Bestätigungdes ersten! Geschiedene Halmcnringe, geschiedene Brantringc,wehe, wenn geschiedene Herzen folgen! Nein, lieber vom Lebengeschieden. Ich könnte freudig mit dir sterben; aber ohne dichleben, ich vermocht' cs nicht mehr!"

Während sie klagte, verschwendete der junge Künstler alleKunst seiner Finger, dem cdcln Kleinode tm Grase, tm Sandeund Grien des Gartenweges, in den dornige» Zweigen des Hagesnachznspürcn. Jedes Blättchen von Kräutern, jedes Aestchcn vonnahen Gesträuchen bog er auseinander; jedes Steinchcn schob ervon der Seite. Vergebliche Mühe! Er, obgleich freier Gesinnung,wie sein Vater, fühlte jetzt selber, obgleich er es Thorheit nannte,eine Anwandlung von heimlichen, peinlichen Ahnungen. Der Ge-danke: „Sollte der Brautring kein Trauring werden?" klettctesich widerlich an alle seine Vorstellungen, und hing ihnen immerfester an, je länger er sich Mühe gab, ihn davon zu reißen. Auchder verständigste Mann hat Talent zum Unverstand.

„Helft uns einen verlaufenen Deserteur einfangen!" rief erseinen vier jünger» Brüdern entgegen, rührigen Knaben von drei-zehn bis achtzehn Jahren, die von ihren Aeltcrn her in den Gar-ten hcrcinsprangcn. Man umringte die Suchenden; fragte; forschte;zerstreute sich dann nach alten Richtungen, wo das Pärchen ge-gangen oder gestanden sein konnte. Jeder wollte der glücklicheFinder werden. Keiner ward cs. Das Abenddnnkcl Mächte derArbeit ein Ende.

„Nur der armen Joseph« willen schmerzt mich der Zufall," sagteGottfried: „Sie fürchtet von dem Verlust noch schltmmern."

„Sei kein Närrchen," tröstete Madame Jansen das nieder-geschlagene Mädchen: „Er bedeutet dir nicht mehr und nicht weni-ger, als der Verlust einer Stecknadel. Anch ich hätte wohl einst