Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Ehepaares, der ein junger Mann von etwa fünfundzwanzig Jahre»,und Pfarrvikar eines benachbarten Städtchens warn

Von wem und wie hast du es vernommen?" hob Herr Danielisnach einem augenblicklichen Schweigen wieder zu fragen an.

Sehr zufällig. Denke nur, ich trete, Else suchend, in dasDicnstenstübchen; finde da, statt ihrer, einen offenen Brief amBoden, mit Jakobs Handschrift; glaube, cs sei einer der mcinigen;lese den Inhalt und lese da erst Ermahnungen zur Frömmigkeitund znm Gehorsam gegen uns, dann das Geständnis; seiner zärt-lichsten Liebe und Treue."

Die GesichtSznge des Vaters vcrricthen schon wieder einigeBesänftigung seines Innern; sei es durch die in einem schwcrbc-wegtcn Lebenslauf gewonnene Macht der Selbstbeherrschung, oderweil er der reinen, männlichstarken Gesinnungswcise des Sohnesvertrante.

Und Else?" setzte er seine Fragen fort.

Ei nun, sie trat bald darauf zur Thür herein »nd sah ganzgleichgültig ihren Brief in meiner Hand. Als ich sie ernst erin-nerte, mit solchen Papieren sorgfältiger zu sein und sic nicht leicht-sinnig hcrnmliegcn zu lassen, ward sie feuerrotst und blickte mirbang in die Augen. Dann aber, als ich mich des Nähern erkun-digte, gestand sie, mit ganz unschuldiger Offenheit, Alles; freilichetwas blöde und schüchtern. Man hört' es ihr an, sic findediesem Verhältniß gar nichts Snndliches. Jakob sei gegen sicimmer gar leutselig und gut gewesen. Sie habe ihm so Vieleszu verdanken. Man müsse sich doch nicht wundern, wenn alle Weltden Herrn Vikar lieb habe; denn gewiß, er verdiene es. Kurz,ich vcrmnthe, das Mädchen selber argwohnt noch gar nicht, wasin seinem Herzen vergeht."

Ein mildes Lächeln überflog das Antlitz des Kirchcnrathes. Dannfragte er:Und dn, Mama, was hast du ihr geantwortet?"