Spanien, Deutschland und Italien zur Zeit des Königs Philipp II. 649
Meeren und in den fernen Welttheilen ward durch die unermüdlich rü-stigen Feinde immer mehr geschmälert. Niederländische Flotten erschie-nen, ehe der Waffenstillstand geschlossen war, an den spanischen Küstenund machten diejenigen, gegen die sie sich lange vertheidigt hatten, zuAngegriffenen. Noch in Philipps letzten Jahren, im Jahre 1594,war eine englisch-niederländische Flotte zerstörend in den Hafen vonCadiz gedrungen. Im Jahre 1607 siegten die Niederländer unterHeemskerk über die Spanier bei Gibraltar. Die Macht, welche dieNiederländer zur See gewannen, und ihr Handel steigerten sich wechsel-seitig. Es hals Spanien nichts, daß Philipp II. Lissabon, woher sie dieErzeugnisse Asiens zur Verschiffung nach den Ostsecländern geholt, ihnenverschloß und unter Philipp III. ihnen der früher ungeachtet des Krie-ges erlaubt gebliebene Verkehr in spanischen Häfen verwehrt ward.Noch che Philipp II. gestorben war, hatten ihre Flotten, nachdem einWeg um die Nordküste Asiens vergebens gesucht worden, den Weg nachOstindien gesunden, und hier brachten sie die Besitzungen der Portugie-sen größtentheils in ihre Gewalt. Da sie bloß Zwecke des Handelsverfolgten und dessen Betrieb durch einzelne Gesellschaften den Einge-bornen günstig war, wurde es ihnen leicht, Beziehungen anzuknüpfen.Ans Ceylon, Malakka, den Sunda-Jnseln und den Molukken gründetensic ihre Handelsniederlassungen, während in Vorderindien die Machtdes Großmoguls sich bis zu den Küstenländern hin auszubreiten im Be-griffe war. Selbst im Reiche Japan fanden sie Eingang, und alsFeinde der europäischen Ankömmlinge, die man früher dort gesehenund gegen deren Bekehrungsversuche sich das Heidenthum zum Wider-stande erhoben halte, fanden sie dort eine bleibende Stätte für ihrenbloß auf den Handel zielenden Verkehr. Die einzelnen Handelsgesell-schaften wurden, um nicht in ihrer Vereinzelung der Gegenwirkung derSpanier und Portugiesen zu erliegen und um den dem Gesammtergeb-nisse schädlichen Wetteifer nicht ferner zu entwickeln, im Jahre 1602 ineine ostindische Compagnie vereinigt, wodurch die ganze Angelegenheitden Vortheil der Einheit und Planmäßigkeit erhielt. Während so derneue Staat, welcher der Glaubenstrcnnung sein Dasein verdankte, derSitz des Welthandels wurde, sammelte er einen Reichthum, durch dener eine über das Maß seines Umfanges weit hinausgehcnde Bedeutunggewann und in den Stand gesetzt wurde, in dem ferneren Verlaufe derdurch die Glaubenstrennung verursachten Kämpfe ein großes Gewichtin die Schale des Protestantismus zu werfen. Im Innern wurde dieReligion, wie in den Ländern, wo die Fürsten zur neuen Lehre überge-treten "waren, eine der Aufsicht der weltlichen Obrigkeit unterworfeneAngelegenheit, und der Staat zeichnete sich aus durch die Strenge, mitWelcher er jede von der Calvinischen abweichende Lehre darniederhielt.
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