1717
Beunruhigungen durch Geschützfeuer, verhielt sich der Feind bis tun die MitteJuni ziemlich ruhig.
Oberst August liess in dieser Epoche mehrere gelungene Ausfälle unter-nehmen, um cinesthcils Proviant einzuführen, andernthoils mit dem Landstürme derRomanen unter Janku sich in Verbindung zu setzen, -welcher das Bclagerungs-corps öfters sehr -wirksam im Rücken angriff und in steter Beunruhigung erhielt.
Als am 2. Juni mit Tagesanbruch Janku die feindliche Position bei Saardund Kisfalud im Rücken überfiel, machten einige Compagnien der Festungs-besatzung einen gleichzeitigen Angriff auf den feindlichen Posten bei Tövis, zer-sprengten ihn, und erbeuteten viele Munition, ein ganzes Proviantmagazin und einegrosse Ileerde Rindvieh. Am 20. und 22. Juni begann endlich der Feind wiederdie Besatzung mehr zu beschäftigen und zu beunruhigen, um, wie es schien, seineBewegungen zu maskiren. Er verstärkte nämlich seinen Posten bei Maros-Portound fühi’tc Geschütze auf dem Galgenberge auf.
Am 24. eröffneto er wieder das Bombardement, welches von 5 Uhr früh bisMittag heftig anhielt. Bald stand das bischöfliche Palais und der Dom in Brand,und da ein heftiger Wind sich erhoben hatte, wurde ein grosser Theil der Stadtein Raub der Flammen. Während dieses heftigen Brandes versuchte der Feind ausdem Stadtthcilc Väros, welchen er schon in der Nacht vom 23. auf den 24. besetzthatte, mit einigen Compagnien einen Sturm gegen das Karlsthor, welcher abersogleich zurückgeschlagen wurde. Nach eingestelltem Feuer liess Stein demObersten von August erneuert eine ehrenvolleCapitulation anbieten, erhielt aberzur Antwort, dass er sich eher unter den Trümmern der Festung begraben werde.Stein setzte daher am 25. seine Beschiessung fort und liess die Batterien denganzen Tag hindurch spielen. Auch am 26. Mittags und am 27. unterhielt erdasselbe durch einige Stunden, und stellte es nicht früher ein, als bis er seineWurfmunition verschossen hatte.
Zu einer eigentlichen Belagerung schritten die Insurgenten aus Mangel anden erforderlichen Mitteln nicht, sondern hofften die Garnison auszuhungern oderdurch zeitweises Bombardement zur Übergabe zu bewegen. Unter fortwährendenkleineren Gefechten mit den feindlichen Posten wartete der Festungs-Commandantmit Ungeduld auf irgend eine Nachricht vom Kriegsschauplätze, von dem dieFestung schon seit so vielen Wochen isolirt war. Zwar erfuhr er, dass bereitsrussische und österreichische Truppen in Siebenbürgen eingedrungen seien, aberNäheres wurde nicht bekannt. Am 9. Juli unternahm aber die Garnison mit 2 Com-pagnien Leiningen, 1 Compagnie Bi an chi, 2 Compagnien Romanen-Grcnzoreinen grösseren Ausfall durch den Stadttheil Väros. Nach vierstündigem, durchdie Kanonen der Festung unterstützten Kampfe wurde derFeind mit dem Verlustevon 100 Todten und Verwundeten aus der Väros vertrieben und ein Armeebefehldes Bern aus Tekendorf vom 29. Juni vorgefunden, aus welchem zu entnehmen