Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1389
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und in der Nacht zum 14. in ihren Stellungen verbleiben mussten. Am Morgen diesesTages traten jedoch die Ereignisse in eine neue Phase. Es erschien die vom WienerMinisterium abgesondete Hofcommission, General der Cavallcric Graf Mensdorffund Hofrath Klee zanski, mit dem Aufträge, das Benehmen des Fürsten zu unter-suchen, was die Umsturzpartei nur mit neuen Hoffnungen erfüllen konnte; dennihre Forderungen wurden kühner, die Barricaden verstärkt; die Unterhandlungen,welche nun die Hofcommission anknüpfto, konnten zu keinem Resultate führen.Wohl überzeugt, dass die gemachten Concessionen zur Herstellung der Ruheeben so wenig beitragen würden, wie die früher gelohten Bedingungen der Auf-rührer, entschloss sich der Fürst am 15. eine drohende Stellung auf der Kleinseitcund dem Hradschin zu nehmen. Gegen Mittag verfügte sich die ITofcommissionauf das königliche Schloss und erklärte, die einzige Hoffnung zur Beruhigung derGemüthor läge in der Abgabe des Commandos durch den Fürsten an den Generalder Cavalleric Grafen Mensdorff, wozu sich derErstcrc ohne Weiteres geneigterklärte, wenn dadurch der Stadt die Ruhe wiedergegeben und die Provinz demKaiser erhalten werden könne. Die beiden Abgesandten, so eben von der Altstadtzurückgekehrt, hatten aufs Neue die Perfidie der Umsturzpartei erfahren, welche,statt wie sie versprochen, nach dem Ab treten des Fürsten die Barricaden wegzu-räumen, die Mittel des Widerstandes nur vermehrten, — sie vereinigten sich mitden Bitten der Garnison und General Graf Mensdorff ersuchte den Fürsten ange-legentlichst das Commando zu behalten und alle Mittel anzuwenden, um die Stadtendlich zum Gehorsam zu bringen. Demgemäss wurde Prag am 16. in Belagerungs-zustand erklärt uncl der Deputation der Stadtverordneten angekündigt, dass am17. Mittags die Unterwerfung erfolgen müsse. Die Revolutionspartei wollte sich denmilden Bedingungen nicht fügen und griff die Garnison während der Waffenruhe am16. Abends von Neuem an; der Fürst befahl indessen das Feuer erst dann zu erwie-dern, bis einer der Soldaten durch diese vcrrätherischen Schüsse blessirt seinwürde; liess aber die Mühlen, welche der Kleinseitc am nächsten waren, mit Ilaubitz-Granaten in Brand stecken und wartete ab, ob die Stadt noch nicht zur Besinnunggekommen. Auch das fruchtete nicht, und als clcr Angriff von Seiten der Insur-genten noch immer fortgesetzt wurde, befahl er, während der Nacht zwei ohneBrandsatz gefüllte Bomben in die Stadt zu werfen. Jetzt war der Muth der Empörererschüttert, die Gutgesinnten ermannten sich und am 17. Morgens unterwarf sichPrag der Gnade des Fürsten.

Seit dem vcrhängnissvollen Märzmonate hatte die Empörung die erste voll-ständige Niederlage erlitten. Ohne Rachegefühl batte der Fürst, der Schwer-beleidigte und zugleich der Versöhnlichste, durch ruhige Kraft den Aufstand ent-waffnet und durch schonendes Wohlwollen die erregten Gcmüthcr besänftigt, diebezwungene Stadt aber des Fürsten Edclmulh in der Folge durch Vertrauen undft orttreuo gerechtfertigt,