1370
stände der politischen und anderer Behörden, welche den Bau nicht für unum-gänglich nothwendig erachteten, setzte Graf Radetzky seine Idee zum SegenÖsterreichs durch; er hatte das seltene Glück, die Früchte seiner Bestrebungen zuernten. Si vis paeem, para bellum., und die Festung Verona eben war cs, welchedem Kaiserstaate das halb verlorene Italien wieder gewann.
Was er geleistet, wurde nie verkannt; in jenem Augenblicke aber, wo er mitFriedensciferern zu kämpfen hatte, galt eine Anerkennung seines Monarchen höher,als wäre sie im Momente einer Schlacht erfolgt. Se. Majestät Kaiser Ferdinand I.ernannte ihn am 17. September 1836 zur höchsten Stufe, welche ein Soldat errin-gen kaftn, zum Feldmarsclial 1.
Dank der allgemeinen Fricdenslage Europa’s, vergingen nahezu 15 Jahre, ohnedass es nüthig gewesen verwirklichten Befürchtungen wirklichen Ernst entgegenzu stellen. Allein wie sehr der Feldmarschall seine Zeit und die trübe Zukunfterkannt, lehrten bald Ereignisse, in denen cs der gesummten moralischen undmateriellen Kraft Österreichs bedurfte, um einem gänzlichen Zerfallen vorzubeugen.Der Thron in Frankreich ward gestürzt, und sein Fall vibrirtc in ganz Europa. Woeine feste und sichere Regierung das offene Gebaren der neuen Volksprediger nichtgestattete, drangen die revolutionären Emissäre wie die Winde durch alle Spalten,um fürihreldeen ein fruchtbares Feld zu finden. So war es im österreichischen Italien.
Der Sitz der demagogischen Partei in Rom entsendete seine agitativen Kräftenach allen Richtungen der Halbinsel; in Lombardo-Veneticn, wo trotz der Verringe-rung der ursprünglichen Militärmacht die Streitkräfte immer noch zu sehr impo-nirten, wagte man sich noch nicht offen hervor, wenngleich verschiedene Anlässeeinen nahen Ausbruch verkündeten. Die Insurrectionspartei hatte in einem Lande,das eben unter den „Fremden“ seine grösste Blüthe erreicht, alle Hebel nationalerEifersucht in Bewegung gesetzt und das Volk so lange bearbeitet, bis ein schick-licher Vorwand die Explosion vermitteln würde.
Dieser Anstoss kam nicht von innen, wie man verhofft, sondern von aussen,da die Residenz selbst im Aufstande begriffen war. Die Nachricht davon gelangteam 17. März Abends an die Regierung in Mailand und am nächsten Morgen schlughier der Aufruhr los.
Die österreichische Armeein Italien zählte damals 70,000—75,000Mann Infan-terie (wovon ein Drittheil Italiener), 5500 — 6000 Mann Cavallcrie mit etwa 108Kanonen und deren Mannschaft.
Wie bemerkt, war ein Dr ittheil aus Eingebornen bestehend, und zwar setzteman in sie eben so grosses Vertrauen als in die übrigen, weil sie in den Anlässenfrüherer Jahre eben dieselbe gute Gesinnung .mit den übrigen bewiesen hatten;dazu kam, dass diese Mannschaft so eigentlich aus dem Volke stammte, welchesden Prätensionen der Vornehmen und den Bewegungen in den Städten aus altenGründen sich nicht anzuschliessen schien.