Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1368
Einzelbild herunterladen
 

1368

gibt dem Oberbefehlshaber Fürsten von Schwarzenberg- die Mittel an die Hand,welche allein zum Zwecke führen können und sagt:

Die innere Organisation unserer Armee geht vom Ilofkriegsrath aus, undkann, wenn nicht Alles umgestossen wird, von ihm aus schnell und wirksam betrie-ben werden. An seine Spitze gehört im gegenwärtigen Augenblicke ein Mann,der durch Rang, Geburt und Charakter, die Mittel und zugleich die Kräfte ver-bindet, mit rascher Thätigkcit die innere Organisation und mit eisernem Arme dioArmeen zu dirigiren. Er muss die Liebe und Achtung der Armee besitzen; er musssie kennen, sie muss ihn lieben und fürchten. Sie muss in ihm einen Mann sehen,der sich ihrer auch im Frieden annehmen kann. Dieser Präsident muss in der Nähedes Kaisers , in der Nähe der Armeen sein, damit er selbst sieht, selbst hilft undselbst straft. Ein tlüitiger Vicc-Präsidcnt muss um so mehr an seiner Seite stehen,als er selbst unter diesen Umständen nicht unausgesetzt präsidiren kann. Nurdadurch können wir hoffen Ernst, Wahrheit und Ordnung in das für uns so wich-tige Organisations-Geschäft zu bringen.

Als Grundsatz muss angenommen werden, dass unsere Armee, getrennt vonallen übrigen, nur zwei Operationslinien erhielte, eine an der Donau oder in Deutsch-land, eine in Italien. Alle unsere Operationen müssen auf dieser Basis berechnet sein.

Die Armee in Italien müsste sobald als möglich verstärkt werden und einenGeneralen erhalten, der das Land kennt und im Stande ist ungesäumt die Offensivezu ergreifen.

Über die Operationen bemerkt die Denkschrift:Alle Operationsvorschläge,die wir seither machten, fanden, so wie vom Handeln die Rede war, Widerspruch.Jeder tadelte, keiner machte einen besseren Vorschlag. Soll dieser Zustand derDinge so fortgehen, so ist Euer Durchlaucht Ruf wie der Meinigc verloren. EuerDurchlaucht müssen entweder unbedingt Herr der Armee, ihrer Eintheilungund Verwendung werden, oder denen das Commando überlassen, die das was sictadeln und vorschlagen, dann auch mit dem Werkzeuge ausführen mögen, das sicsich selbst erzeugten.

Es war dem Chef des General-Quartierstabes eine grosse Gonugthuung, dassseine 'Vorschläge Allerhöchsten Ortes sogleich in Ausführung kamen. FürstSchwarzenberg erhielt neben der Stelle eines Oberbefehlshabers der alliirtcnHeere auch jene eines Präsidenten des Hofkriegsrathes, der thätige Stipsiczwurde Vice-Präsident und Graf B ellegar d e an Hi 11 ers Stelle Commandirenderder Armee in Italien. Fortan gab es keine Opposition gegen die Anordnungen imHauptquartiere, und wenn sich die Folgen dieser Denkschrift schon in derSchlacht von Kulm bemerkbar machten, so gab die Völkerschlacht.bei Leipzig,so wie der glückliche Ausgang des Krieges selbst die unzweideutigsten Beweise,dass Radetzky sich seiner schwierigen Stellung vollkommen bewusst war und ihrdasjenige abnöthigen musste, was das Wohl des Vaterlandes erheischte. In diesen