812
und ungefähr gegen 8 Uhr wurden Zocchi’s Batterien mit Empfehlung der mög-lichsten Eile vorbeordert. Dieser Befehl wurde trotz des beschwerlichen Feldwegesauf das Genaueste vollzogen, so dass sie die ersten waren, welche die vortheilhaf-testen Anhöhen besetzen, dem Feinde, der in eben dieser Absicht schnell vor-rückte, zuvorkommen und ihn durch ein wohlangebrachtes Feuer zum Rückzugezwingen konnten. Das Garde-Corps gewann Zeit und Feld die Schlachtordnung zuformiren und kam beinahe im Centrum der ganzen Position zu stehen. Mehrere Stun-den dauerte das Kanonenfeuer mit gleicher Heftigkeit ohne Entscheidung fort, bisendlich der rechte Flügel, welcher sich weit über die Chaussee von Brünn nachAusterlitz erstreckte, geworfen wurde. Dieser Umstand setzte auch das Centrum ineine höchst bedenkliche Lage, denn der Feind rückte nach dem dort errungenenVortheile in grossen Abtheilungen gegen unsere Flanke und Rücken. Die Stellungwurde zweckmässig geändert und die Truppen hielten lange standhaft aus, wur-den aber endlich doch zum Weichen gebracht. Grossfürst Constantin, besorgtfür die Rettung des Geschützes, beschloss nun auch seinerseits den Rückzug, alleinZocclii und seine beiden Officiere, Oberlieutenant Lagonda und LieutenantMaschner, sahen wohl ein, dass das Corps, welches einen grossen Mühlbachpassiren musste und nur einen einzigen Weg hinter den zwei Batterien offen hatte,sich nur unter dem Schutze der Kanonen retten, mit den übrigen Truppen vereini-gen und eine neue Stellung gewinnen konnte; sie erkannten ferner, wie gewichtigdie Folgen sein müssten, wenn sich der Feind Austerlitz’s schon so bald bemäch-tigen würde, und beschlossen auf jenem Puncte entweder zu sterben oder demCorps zu nützen. Ein verheerendes Feuer hemmte alle Fortschritte der Franzosen;als sie aber bemerkten, dass die Bedeckungsmannschaft abgezogen war, rücktensie rasch bis auf 150 Schritte vor; doch die gute Wirkung mehrerer Kartätschen-schüsse mässigte den Ungestüm, sie zogen sich etwas zurück und attaejuirtenZocchi’s Batterien in kleinen Colonnen. Die beiden Officiere stiegen jetztvom Pferde, halfen der Mannschaft bei der Geschützbedienung, und ihr wackererIlauptmann bot mit ihnen Alles auf, was Beredsamkeit und voranleuclitendcs Bei-spiel vermochten, um die Leute bei einer ausdauernden standhaften Gegenwehr zuerhalten, von welcher in jenem entscheidenden Augenblicke noch allein Rettungzu hoffen war. Jeder Angriff des Feindes war für ihn eine neue Niederlage, biser endlich durch den zu beträchtlichen Verlust bewogen, der Standhaftigkeitunserer braven Artilleristen wich, die in seinem Rücken gelegenen Anhöhenbesetzte und sich damit begnügte sie aus der Ferne zu beschiessen. Diese aus-dauernde Gegenwehr verschaffte den kaiserlich russischen Truppen Zeit, sich nachPassirung des Mühlbaches nochmals zu formiren und eine zweite Stellung neh-men zu können.
Als Zocchi’s Batterien endlich ihre Absicht erreicht und das Corps ge-rettet sahen, zogen sie sich abtheilungsweise mit abgeprotzten Kanonen unter