377
Tension fliiclit. Fliissigk.
schwamm fest, welches man mit irgend einer flüchtigenFlüssigkeit, als Wasser, Alkohol oder Aether, angefeuchtethat, und führe diesen Schwamm durch das Quecksilberhindurch in den verschlossenen Schenkel, wo man ihneinige Augenblicke läfst. Hier verdunstet nun die Flüs-sigkeit so lange, bis so viel von diesem Gase, als beiderbestehenden Temperatur sich erhalten kann, die Gasgestaltangenommen hat. Wenn man hierauf den Drath nebstdem Schwamme wieder heraus nimmt, bemerkt man, dafsdas Quecksilber im offenen Schenkel höher als im ande-ren Schenkel steht. Beim Wasser beträgt dieser höhereStand in der gewöhnlichen Luft-Temperatur nicht mehrals eine oder ein Paar Linien, beim Alkohol aber mehr,und beim Aether sogar ein Paar Zolle.
Stellt man den Versuch auf die Art an, dafs manmehrere Barometerröhren mit Quecksilber füllt und siedann umgekehrt in ein mit Quecksilber gefülltes Gefäfsneben einander stellt, so wird man (wenn von diesenRöhren, vor der Füllung mit Queksilber, das eine völ-lig rein und ausgetrocknet gewesen, das zweite aber mitWasser, das dritte mit Alkohol und das vierte mit Ae-ther angefeuchtet worden ist) finden, dafs das Quecksil-ber in allen diesen Röhren eine ungleiche Höhe einnimmt,und dafs es hier bei derjenigen Flüssigkeit am niedrigstensteht, bei welcher es im vorigen Versuche den höchstenStand einnahm. In beiden Fällen wirkt aber einerleiUrsache; im ersteren nämlich hebt die Schwere desunbeständigen Gases eine Quecksilbersäule bis zu einergewissen Höhe; im letztem Falle hingegen ersetzt dieSchwere des unbeständigen Gases eine gleich hohe Queck-silbersäule, um der Atmosphäre das Gleichgewicht zuhalten.
Man bedient sich der Höhe der Quecksilbersäule alseines Maafses für die Neigung flüchtiger Flüssigkeiten,Gasgestalt anzunehman, und nennt diese Neigung derenExpansionskraft oder Tension; so sagt man z. B.,die Tension des Wassers betrage bei -j-15° Wärme \ Zoll,oder genauer 12,337 Millimeter, weil das Wassergas bei