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6 (1830)
Entstehung
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Philipp Melanchthon

Professoren und Studenten aller Facultäten äußerten die lebhaf-teste Trauer, als habe Jeder seinen Vater verloren; auch derStadtrath und die Bürgerschaft bezeigten ihre schmerzliche Teil-nahme, weil ihn Alle geliebt hatten, weil durch ihn die Univer-sität blühend, die Stadt durch eine unglaubliche Anzahl vonFremden, die vornehmlich um Seinetwillen an dem sonst wenigausgezeichneten Orte verweilten, reich und angesehen gewordenwar, weil man fühlte, daß die Zierde und Krone des gelehrtenund bürgerlichen Gemeinwesens entschwunden sei, und fürchtete,daß dieser unersetzliche Verlust den Verfall der Akademie herbeiführen werde. Man hatte kaum inniger und allgemeiner Lu-ther's Tod betrauert, als den seines ehrwürdigen Freundes, dermit ihm achtundzwanzig, nach ihm noch vierzehn, also zweiund-vierzig Jahre in Wittenberg segensreich gewirkt hatte. Darumwetteiferte man auch, ihn noch im Tode zu ehren; sein Lcichen-begangniß war außerordentlich feierlich; Tausende folgten demSarge des Allverehrten. Auf die Nachricht von seinem Hingangewaren viele von seinen nicht zu fernen Freunden herbei geeilt, umnoch Einmal seine sterbliche Hülle zu sehen, und sie zu ihrerRuhestätte zu begleiten. Die Beisetzung erfolgte in der Schloß-kirche, dicht am Sarge Luther's; die Grabschrist auf dem ihmerrichteten Denkmale bezeugte die wärmste Anerkennung seiner un-sterblichen Verdienste. Allen seinen entfernten Gönnern und Freun-den meldete die Universität selbst den gemeinsamen Verlust, undfügte einen umständlichen Bericht von den letzten Lebenstagen destheuren Entschlafenen bei. Auch außerhalb Wittenberg wid-mete man seinem Scheiden manche rührende Feier; Programme,Gedächtnißpredigten, Reden, Gedichte erschienen in großer Zahl,und bezeugten, daß seine Gegner, die auch nach feinem Todenicht abließen, ihn anzuklagen und zu schmähen, doch nicht ver-mocht hatten, ihm überall die Achtung und Liebe zu rauben, de-ren er von Vielen Werth war. Noch lange ward in Wittenbergalljährlich sein Todestag gefeiert; spater unterblieb es, weil end-lich den Eiferern es doch gelungen war, seinen wohlerworbenenRuhm zu verkleinern, und seine Nechtgläubigkeit in allgemeinenVerdacht zu bringen. Als endlich die Leidenschaften sich abgekühlthatten, als man ansing, ihm Gerechtigkeit widerfahren zuj las-sen, und seine Verdienste unbefangener anzuerkennen, hielt dieUniversität Wittenberg nicht mehr für bedenklich, sondern füreine Pflicht, die sie ihm und sich selbst schuldig sei, noch Einmal,da er schon zweihundert Jahre im Grabe ruhte, seinen Todestag