Aus MelanchLhons Postille
t Einleitung in die Adventsfeier.
. ^er Zeitabschnitt, den die alte Kirche Advent, d. h. Zeit der
" Ankunft nannte, sollte vordersten auf das Gebnrtsfest des Herrn.
> Es laßt sich aber ein mehrfaches Kommen Christi unterschei-den. Darum sind auch verschiedene evangelische Abschnitte fürdiese Sonntage verordnet, welche nach dem Advent benannt sind.
Der Text am ersten Advcntsonntagc handelt von der Ankunftoder dem Einzuge Christi in die Stadt Jerusalem, um zu lei-den. Daraus folgt der Abschnitt vom Kommen des Herrn zumjüngsten Gericht. An den beiden folgenden Sonntagen wird voni dem Kommen des Herrn zum Lehramts gehandelt, wobei zugleichJohannes des Täufers Erwähnung geschieht, welcher Christi^ Vorläufer im Amte des neuen Bundes war. Zuletzt wird amFeste der Geburt des Herrn die Geschichte seines Kommens insFleisch vorgclcgt. — Hierbei will ich darauf aufmerksam machen,daß der Sohn Gottes vom Anbeginn an die Kirche gesendet wor-den ist, um das Evangelium zu offenbaren; und wiewohl dieGeburt Christi, seine Predigt im Fleische und sein Leiden in ver-schiedene Jahre und Zeitabschnitte fallen: so können doch alle dieseeinzelnen Thclle seines Wirkens füglich unter der Benennung des' Advents oder der Sendung Christi in den Stand der Niedrig-keit zusammcngefaßt werden. Das Kommen Christi zum jüng-sten Gerichte aber wird erfolgen, um die Herrlichkeit des Soh-nes Gottes und die endliche Befreiung der in alle Ewigkeit zu^ verherrlichenden Kirche vor Augen zu stellen. So pflegen auch
> die Propheten das Kommen Christi zu unterscheiden, indem siejetzt von dem erniedrigten und leidenden, jetzt von dem nach sei-
! ner Verklarung oder Auferweckung von den Todten in göttlicherAllmacht regierenden Messias reden. — Diese fortwährende Sen-dung des Sohnes Gottes an seine Kirche vom Anbeginn mußman wohl betrachten, und oft sich an die unablässige Gegenwär-VI. L