in seinen später» Lebensjahren. ^-7
große Männer leichter in ihren Mängeln, als in ihren Vorzügennachahmt. Seine weiche Stimme sprach zum Herzen, und inreifem Jahren bemerkte man kaum noch, daß ec als Kind einwenig gestammelt hatte. Seine scharfen Sinne unterstützten seineEmpfänglichkeit für die Schönheiten der Natur, an denen er sichweidete und erquickte. In seiner ganzen Erscheinung war nichtsRauhes und Hartes, lauter Milde und Sanftmuth; seine na-türliche Reizbarkeit und die Geneigtheit zur Heftigkeit hatte erdurch fleißige Selbstbeobachtung und anhaltende Wachsamkeit, durchUcbung in der Geduld und Nachgiebigkeit, durch Andacht undLiebe überwundcy; cs war ihm zur Gewohnheit geworden, aufdie ungestümsten Vorwürfe, auf die bittersten Beleidigungen, niesogleich, immer erst nach einer Zeit der Sammlung zu antwor-ten, und bei den schmerzlichsten Nachrichten, die seine ganze Seeleerschütterten, äußerlich ruhig zu bleiben. Im Umgang und Ge-spräch zeigte er sich stets zuvorkommend, freundlich und liebreich;seiner Gattinn, seinen Kindern und Enkeln, seinen Verwandtenund Freunden bewies -er die innigste Zärtlichkeit; aber auch Solche,die ihm ferner standen, fühlten von seiner Weisheit und Liebesich angezogen, so wie er theilnehmend und offen Allen nahte,mit den Fröhlichen sich freute und mit den Weinenden weinte.So schüchtern er von Natur, und so krankhaft ängstlich ec oftwar, so fehlte es ihm doch in entscheidenden Stunden nicht anMuth, und nie verricth er Mcnschensurcht; Niemand war auchunter Fremden und auf Reisen sorgloser als er. Bei einemStudententumult wagte er am finstern Abend sich furchtlos unterden tobenden Haufen, und brachte einen trunkenen Menschen,der sein Schwert gegen ihn kehrte, unerschrocken, durch kräftigeAnrede zur Besinnung. Bescheiden, aber furchtlos und sreimütbig,stand er auch Fürsten gegenüber, und scheute sich nicht, ihnendie Wahrheit zu sagen. Nie und nirgend erlaubte er sich selb-süchtige Hinterlist; sein treuherziges, biedres, einfaches Betragenentsprach seiner christlichen Gesinnung. Er war einer von dendurch natürliche Anlage, durch die Lauterkeit und zunehmendeGediegenheit des innern Lebens günstig gebildeten Menschen, de-ren Erscheinung beim ersten Anblick unwiderstehlich anziehc, Ach-tung, Vertrauen und Liebe erweckt. —
Als die Nachricht von seinem Tode erscholl, hörte man Wei-nen und Wehklagen in den Häusern und auf den Straßen; die