Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
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Philipp Mclanchthon

bete vernahmen die Umstehenden aus dem Munde des Sterben-den. Kur; vor dem Tode, als die Worte vorgelesen wurden:Er hat ihnen Macht gegeben Gottes Kinder zuwerden, denen, die an Seinen Namen glauben!" riefer mit erhobenen Augen und Händen:Das Wort steht im-merdar vor meiner Seele!" Da sein Schwiegersohn Peu-rer noch einmal fragte: ob er Etwas begehre § antwortete er:Nichts als den Himmel; darum stört mich nicht mehr mitneuen Fragen!" So lange er akhmete, wiederholte er öfterverständlich das Gebet:Ach Gott erbarme Dich meinerum Deines Sohnes Jesu Ehristi willen!" und:Auf Dich Hab' ich gehoffct, Herr! Ich werdenicht zu Schanden werden immer und ewiglich!" Ecbehielt die volle Besinnung, und bezeugte noch, daß er Alles höreund verstehe, was die Freunde an seinem Sterbebette aus derheil. Schrift vorlasen. Ohne Todeskamps, ohne Zuckung, ohneeine unruhige Bewegung entschlief er am Abend des 19. April,

drei Viertel aus sieben Uhr.-Dreiundscchzig Jahre und

eben so viele Tage hatte er aus Erden gelebt.

Sein Geist, sein Glaube, seine Gesinnung spiegele sich inder Geschichte seines Lebens ab; für Die aber, welche ihn umseines inncrn Lebens und um seiner gesegneten Wirksamkeit wil-len lieben, ist auch seine äußere Erscheinung nicht gleichgiltig;mehrere Bilder und Berichte von Zeitgenoffen haben sie uns dar-gestcllt. Seine Gestalt war von mäßiger Mannsgröße, schmäch-tig und zart, der Gliederbau fein und anmuthig, der Kopf läng-lich, mit dünnem Haar bedeckt, die Stirn hoch und offen, aus-gezeichnet durch eine hervorragende größere Ader; die Augen warenschön unv in ihrem Blau wunderbar klar, die Wangen hager,und im Alter mit vielen Runzeln bedeckt; der Hals fast lang,die Schlüsselbeine auffallend ausgebogen, die Brust ziemlich breit,der Unterleib sehr eingezogen. Alle Theile des Körpers warenharmonisch, aber mehr zierlich als kräftig, und doch bei großerErregbarkeit tüchtig zur Arbeit, und nicht leicht zu ermüden.Stille Würde und Anspruchslosigkeit, der Sinn für Wohlanstän-digkeit und Schicklichkeit war über seine Gestalt ausgegossen; dasAlter, Sorge und Kummer beugten sie allmälig. Die Eine Schul-ter trug er immer etwas niedriger als die Andere; man sah da-mals in Wittenberg Viele, die ihm Das nachthatcn, wie man