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6 (1830)
Entstehung
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Philipp Mclanchthon

mit erleichternder Unterbrechung. Ec litt geduldig, und arbeitete !

noch immer mit gewohntem Eifer; aber die Schlaflosigkeit, die :

ihn schon früher oft belästigt hatte, ward anhaltender, und seine j

Kräfte sanken immer mehr. Gleichwohl ließ er sich nicht abhal- !

ten, in den ersten Tagen des April nach Leipzig zu reisen,um an der Prüfung der Studierenden, welche fürstliche Stipen--dicn genossen, Theil zu nehmen; auf der Rückreise ergriff ihn,vielleicht in Folge der eingetretenen, sehr rauhen Witterung, einWcchselsieber, welches seinen Aerzten und Freunden bedenklichschien, und ihn abmattete, aber nicht hindern konnte, seine Be-rufsgeschäste fortzusetzen. Noch immer versammelte er seine Zu-hörer um sich, verfaßte noch das übliche Osterprogramm, undübcrbrachte cs selbst in die Druckerei. An diesem Tage, dem 12. ^

April, hielt er mit besondrer Rührung, aber noch mit großem ?

Nachdruck, seine letzte Vorlesung, über die Worte des Jesaias l

(53, 1.):Wer glaubt unsrer Predigt?" Es war da- !

mit eine Anstrengung verbunden, der eine tiefe Ermattung folgte. ^

Die nächsten Tage erregten neue Hoffnung; das Wechselfieberschien nachgelassen zu haben; er konnte einige Nahrung zu sichnehmen, und wollte am 14. April wieder eine Vorlesung halten,wovon der anwesende Camerarius ihn zurück hielt. Diesen ge-liebten Freund bewog er selbst, weil Geschäfte ihn drängten,heim zu kehren, mit heiterem Blick und freundlicher Rede ihn trö-stend:Im ewigen Leben werden wir stets vereinigt sein!" Eswar sein Wunsch und Verlangen, am ersten Ostertage noch Ein-mal das Fcstevangelium seinen Zuhörern zu erklären, und er äu- !ßerte einigen Unmuth darüber, daß man, ohne ihn zu fragen,aus zärtlicher Vorsorge, bereits angekündigt hatte, er könne denVortrag nicht halten. Noch schrieb er, im Vorgefühl seines na-hen Endes, einen Brief an Johann Aurifaber aus Vres- !lau, den er nach Königsberg empfohlen hatte. Jndeß er-neute sich das Fieber, die Schwäche nahm überhand. Längstschon in christlicher Bereitschaft, zu sterben, und den Tod nichtfürchtend, bat er am Morgen des 19. April seinen Arzt, ihmzu sagen, was er von seinem Zustande halte? Da dieser keinBedenken trug, ihm zu gestehen, daß er seinen Tod für nahehalte, forderte ec sein Testament, welches er schon früher nieder-geschrieben hatte, und verdrießlich darüber, daß man es unter sei-nen Papieren, alles sorgfältigen Suchens ungeachtet, nicht findenkonnte, erhob er sich selbst von seinem Lager, um jetzt noch ei-nen andern Aussatz zu verfassen, vermocht' aber nicht, ihn zu