Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
223
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IN stl'ncn spätcrn Lebensjahren.

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Genossen und Mitarbeitern umgeben, geehrt und geliebt vonNahen und Fernen, aber gehaßt, geschmäht, angeklagt und ver-folgt von einer größeren Menge, gegen die er einen endlosenVertheidigungskcicg führen mußte, wahrend er so gern den Geg-nern die Hand geboten hätte, um vereint mit ihnen in Friedenund gegenseitigem Vertrauen das begonnene Werk weiter hinauszu führen. Desto mehr würde der Tod seiner alten Freunde ihngeschmerzt haben, wenn ec nicht die Hoffnung genährt hätte, daßauch seine mühselige Wallfahrt bald ein Ende haben werde.Mit stiller Ergebung nahm er jede neue Trauerbotschaft auf, ob-wohl sein weiches Gemüth, das im Alter zwar kälter, aber nichtliebesärmer geworden war, sich in wehmüthigen Klagen ergoß.So betrauerte er den redlichen Justus Jonas, dessen Tage-werk am 9. October 1555 in Eisfeld, wo er als Superin-tendent segensreich gewirkt hatte, endete. Im folgenden Jahrestarb sein werther Amtsgenoß Johann Förster, der in Wit-tenberg die hebräische Sprache lehrte, und bei dem Convent zuNaumburg (1554) sein treuer Beistand gewesen war; zweiJahre nachher Justus Menius, der von den Flacianern ver-folgt, Gotha verlassen, und von Melanchthon empfohlen, inLeipzig eine Zuflucht gefunden hatte. Endlich schied von ihm,am 20. April 1558 auch Johann Bugenhagen, der mitunerschütterlicher Treue ihm zur Seite gestanden, aber im spätenAlter, da ec an Leib und Seele schwach geworden, den Freundselbst zu dem Gebet, daß Gott ihn bald von hinnen nehmenmöge, aufgefordert hatte.

Unserm Melanchthon blieb auch bei zunehmender Körper-schwäche die Klarheit und Stärke des Geistes; es war ihm dasGlück befchieden, bis in die letzten Tage nicht nur thätig seinzu können, sondern auch den freien Gebrauch der höhern Seelen-kräfte zu behalten. Seine mannichsachen, zum Theil sehr wich-tigen Schriften vom I. 1559 sind noch Zeugen einer ungemei-nen Kraft des Verstandes und Scharfsinnes; sie vcrrathen nichteine Schwäche oder Kälte des Alters. Selbst in den ersten Wo-chen des I. 1560 verfaßte er noch mehrere Reden (die letzteüber 1. Chron. 18, 17:Du hast mich angesehen als in derGestalt eines Menschen, der in der Höhe Gott der Herr ist;")und Vorreden, in denen man keine seiner frühem Vorzüge undEigenthümlichkeiten vermißt. Auch seine Sinne blieben gesundund klar, obwohl in den spätem Jahren die Augen triefend wur-den. Allmälig setzten die Stcinschmerzcn ihm heftiger zu, doch