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Philipp Mclanchthon
schonend mitthellte, nahm man kein Zeichen heftiger Erschütterungan ihm wahr; er rief der Entschlafenen einen Licbesgruß nach,und setzte getrost hinzu: „Ich werde bald ihr folgen!"Bald darauf ging er wieder in Gespräche über die öffentlichenAngelegenheiten ein, und verschmerzte in der Sorge um das ge-meine Beste den eignen Kummer. Aber dieser nagte doch an sei-nem Herzen; seine Freunde bemerkten seitdem seine zunehmendekörperliche Schwache. Die Wittenberger Universität äußerteihm mit oec Anzeige von dem Tode der Gattinn die herzlichsteTheilnahme, und besorgt, daß er nach diesem Verlust in der Pfalzzurück bleiben möchte, bat und beschwor man ihn, seine Rück-kehr zu beschleunigen. Er entsprach dem Verlangen; unter heißenThränen, aber doch mit starker Fassung betrat er wieder sein nunverödetes Haus, in welchem er jetzt auch das Glück, das, obwohloft und mannichsach angcsochten, doch nie ganz von ihm gewichenwar, nicht mehr' finden konnte. Seine Ehe war durch die herz-lichste gegenseitige Liebe, Achtung, Aufmerksamkeit, Zartheit undFreundlichkeit ausgezeichnet; die Gattinn, nicht geistreich, aber sehrgutmüthig, lebte nur für ihn, und er hing an ihr mit aller In-nigkeit seines liebereichen Gemüths. Ihre anhaltende Kränklich-keit bekümmerte ihn; ihre Schwächen trug er mit unerschöpflicherGeduld, und dankbar gestand sie oft, er habe nie, auch nur miteinem Worte sie gekränkt. Dieß gereicht ihm um so mehr zurEhre, da er wohl bisweilen zum Unmuth sich gereizt fühlen konnte;denn wenn er auch Das nicht beachtete, daß die Hausfrau diehäuslichen Angelegenheiten vernachlässigte und dadurch manche Un-bequemlichkeiten veranlaßte, so empfand er doch, gewiß bisweilenunsanft berührt, die mannichfachen Störungen in seiner gewissen-haften Thätigkeit, wenn ihre unbedachtsame Gutmüthigkeit durchunzeitige Fürbitten und Aufforderungen ihn unterbrach, oder wennihre Aengstlichkeit in den Stunden seiner Sorgen und Anfechtun-gen, wo er des Trostes und der Ermuthigung am meisten be-durfte, durch ihr Klagen und Jammern ihn noch mehr beugte.Er aber vergaß es nie, was sie gleichwohl in guten und bösenTagen ihm gewesen war.
Immer kleiner ward nun auch die Zahl seiner vertrauterenFreunde; von denen, mit welchen er und Luther zuerst für dasgroße Werk der Kirchenverbesserung gewirkt hatte, in einer Ein-tracht, deren er mit Rührung gedachte, bei dem widerwärtigenKampfe der Parteien sie schmerzlich vermissend, waren schon Vielegeschieden, und bald war er allein noch übrig, zwar von werthen