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Philipp Mclanchthon
nöthig hielt. Dazu konnte nur seine in langen und schwerenAnfechtungen, Kämpfen, Verfolgungen nicht geminderte, sondernstärker, sehnsüchtiger, dringender werdende Friedensliebe ihn be-wegen, und diese bleibt in jedem Fall ehrenwerth, wenn manauch wünschen möchte, daß ec ihr bisweilen, wo nur durchoffenen Kampf die Wahrheit den Sieg gewinnen konnte, weni-ger nachgegeben hätte. Sein ganzes Wesen rechtfertigt ihn ge-gen den Verdacht, daß er jemals, wenn er als Fricdensvermitt-ler auftrat, das Seine gesucht habe, von Furcht oder Hoffnunghinsichtlich seiner Person bewegt worden sei.
Seine Sorglichkeit und Aengstlichkeit, seine anhaltende Furchtvor der Zukunft, sein immer erneutes Klagen und Jammerntrübt allerdings das edle Bild des frommen Mannes und Strei-ters Christi; man darf aber dabei nie den krankhaften Zustandvergessen, mit welchem er zu kämpfen hatte, ohne ihn je ganzüberwinden zu können. Die vielgestaltige peinliche Krankheit derGelehrten, Hypochondrie genannt, hatte schon früh in seinemKörper sich festgesetzt und konnte durch leibliche Arzneien um soweniger beseitigt werden, als er zu denselben kein Vertrauen faßte,vielmehr einen Widerwillen gegen sie hegte, und übcrdieß die gei-stigen Aufregungen und Anspannung, die sitzende Lebensweise,durch welche das empfindliche Uebcl genährt wird, nicht zu ver-meiden vermochte. Nur der Gebrauch der Eberwuczcl ge-währte ihm von Zeit zu Zeit einige Erleichterung; aber gehobenward die Krankheit, die sich mit seiner ganzen Natur verwebthatte, niemals. Wer selbst einmal auf ähnliche Weise angefoch-ten worden ist, oder auch nur einen solchen Leidenden thcilneh-mend beobachtet hat, der weiß, welche unüberwindliche, zu Zeitenfast bis zum Wahnsinn oder Ticfsinn sich steigernde Beängsti-gungen und Peinigungen, welche nicht zu beschwichtigende Un-ruhe, welche düstere Vorstellungen zu dem leiblichen Mißbehagensich gesellen. Mclanchthon selbst hat in mehreren Stellen sei-ner Schriften die Qualen eines solchen Angefochtenen, die erohne Uebertreibung der Höllcnpein vergleicht, geschildert. Er sprachaus eigner Erfahrung, und erregt um so mehr Mitleid mit sei-nem Zustande. Es ist dicß in der That zugleich eine psychischeund physische Krankheit, verbunden mit räthselhastcn Erscheinun-gen, — bei wohlwollender und zutraulicher Gesinnung bisweilenein unüberwindlicher Argwohn, bei herzlicher Liebe und innigemLiebesbedürfniß eine tiefe Scheu vor den Menschen, bisweilen einWiderwille gegen allen Umgang, ein Zurückziehen selbst von den