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6 (1830)
Entstehung
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in seinen spätem Lebensjahren.

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nach dem Empfange zu ihm kam und einiges Gefallen daran zuhaben schien, empfing sie; er erinnerte sich dankbar, wer sie ihm,aber er vergaß schnell, wem er sie mitgetheilt hatte. Als er einstseinem treuen Camerarius Einige darbot, und dieser sich wci-gerte, sie anzunehmen, rief er:Nimmst Du sie nicht, so läs-

> fest Du sie einem Andern." Als er dann wieder mehrere werth-volle Stücke beisammen hatte und merkte, daß dieselben einem

l habsüchtigen Manne, dem er sie freundlich zeigte, sehr gefielen,i hieß er ihn sich auswählen, welche er wollte. Der aber sprachwählend:Ich möchte sie wohl Alle haben!" Melanchthon,obwohl etwas von der unverschämten Forderung verletzt, überließsie ihm doch wirklich ohne Vorbehalt, und äußerte nachher ohneBedauern: So habe er doch die Begier des unbescheidenen Be-^ schauers gesättigt! Weil seine Freigebigkeit meist größer alssein Vermögen war, so hinterließ er auch den Semigen fast Nichts,als einen ehrenvollen Namen.

Ein solcher Mann konnte nimmer durch Das, was Vieleals den lieblichsten Gewinn erstreben, gereizt und verlockt werden.Weder Ehrenstellcn noch Geld hatten eine Gewalt über sein Herz;

> der Schmeichelei war er eben so unzugänglich, als irgend einerArt von Bestechung; er begriff nicht, wie es möglich sei, ledig-

, lich um des eignen Vortheils oder um vergänglicher Ehre willen

' seine Ueberzeugung zu verläugnen, oder Andern wehe zu thun.

Ec freute sich wohl, wenn achtbare Männer mit seinen Leistun-gen zufrieden waren; er selbst aber genügte sich nie ganz. We-nige berühmte Gelehrte haben bei so reichen und mannichfachenKenntnissen, bei so hohem Ansehen und weithin wirkendem Ein-; fluß eine solche Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit und echte De-! muth sich bewahrt, wie er. Unbestritten Einer der ersten Theo-logen seiner Zeit, ließ er sich doch nie bewegen, die Doctorwürdeanzunehmen; er zog es vor, der Magister Philippus zu bleiben,

: und begehrte nie einen andern Titel oder Rang. Selbst seine

erbittertsten Feinde wagten nie im Ernst, der Nachgiebigkeit, umderen willen sie ihn anklagten und verfolgten, ehrgeizige Beweg-i gründe unterzuschieben. Zutraulich und offen, nicht selten zu sei-

, nem großen Nachtheil, redlich und ohne Falsch, streng gegen sich

selbst, mild gegen Andere, gab er sich immer gern so, wieer war; viele schmerzliche Erfahrungen, die auf seine Gemüths-stimmung einwirkten, machten ihn allmälig etwas zurückhaltenderund vorsichtiger; aber es kostete ihm noch immer viele Selbst-überwindung, wenn er seine wahre Meinung zu verbergen für