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6 (1830)
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in seinen später» Lebensjahren.

Johann Friedrich, dessen Söhnen allein Thüringen ver-blieb. Es war keine leichte Aufgabe für den Fürsten, den seineneuen Unlecthanen mit Mißtrauen und Widerwillen empfingen,die abgeneigten Gemüther zu gewinnen, der öffentlichen Meinung,die ihn beschuldigte, daß er die Evangelischen der feindlichen Machteigennützig und treulos Preis gegeben, eine andre Richtung zugeben, die Gahrung in den Städten und auf dem Lande zu be-schwichtigen, die Wunden, welche der Krieg geschlagen, zu hei-len, da, wo er lange als Vercäther und als der ärgste Feindgegolten, als Landesvater sich zu behaupten. Dem geistreichenund gewandten Moritz, der, wenn man seine Zweideutigkeitund Hinterlist vergessen konnte, auch durch ritterliche Tugendensich auszeichnete, und durch ein gefälliges Betragen sich Eingangzu verschaffen wußte, schien diese Aufgabe nicht zu schwer, undwirklich gelang es ihm über Erwarten schnell, auch manche er-bitterte Gegner zu versöhnen. Selbst die Wittenberger, diein ihrer Liebe zu ihrem gefangenen Fürsten, ihn am meisten haß-ten, hatte er durch die feierliche Versicherung,weil sie ihremFürsten, seinem Vetter, so treu gewesen, wolle er es ihnen ewigin Guten gedenken," günstiger gestimmt. Man fügte sich in dieunabwendbare Nothwcndigkcit; die Verhältnisse ordneten sich; dieSchüchternen gewannen neuen Muth; die Geflüchteten sammeltensich um das neue Panier, williger, weil doch ein evangelischerund stammverwandter Fürst dasselbe entfaltete.

Als nun das Waffengerausch vorüber gezogen und in Sachsendie äußerliche Ruhe hergestellt war, beschloß auch Melanch-thon, nach Wittenb erg zurück zu kehren; nicht nur hatte Mo-ritz ihn freundlich und ehrenvoll eingeladen; ihn selbst zog dieLiebe zu der Stätte seiner vieljährigen Wirksamkeit, zu der viel-leicht nur durch ihn wieder herzustellendcn Universität, die Sehn-sucht nach dem gewohnten Wirkungskreise, dahin zurück, wo erschon manchen heißen Kampf gekämpft hatte, wo er auch denneuen, der, wie er wohl wußte, seiner dort harrte, bestehen wollte.Sobald ec einmal mit sich darüber einig geworden, konnte keineBedenklichkeit und Besorgnis? ihn abhalten, und eifrig riech ernun auch Andern, seinem Beispiele zu folgen. Ec fühlte wohl,daß die Verhältnisse ganz anders geworden, als sic vor demKriege gewesen, daß er in Wittenberg sich nicht weich bettenkönne; aber das lag auch am wenigsten ihm am Herzen; er kamin der That nur, Andern zu nützen, nicht, für sich selbst Vor-theile zu suchen. Seine Lage mußte höchst schwierig werden, da