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Philipp Melanchthon
die ferne Hilfe bei Fremden suchte. Endlich am 31. Auguststanden die feindlichen Heere bei Ingolstadt einander gegen-über, die Evangelischen noch immer mit überlegner Zahl, obwohlbereits spanische und italiänische, besonders päpstliche Scharenzu dem kaiserlichen Banner vorgcdrungen waren. Das cvange- >lische Bundesheer griff an, und stand alsbald wieder davon ab, iweil die Feldherrn noch immer unentschieden und zweifelhaft blie- Iben; die günstige Stellung ward verlassen, und ein fruchtloser !Versuch gemacht, die in bedeutender Zahl herbeieilenden Nie-derländer an der Vereinigung mit dem Kaiser zu hindern.Nun, da dieser stark zum Angriff geworden und unaufhaltsamvordrang, ließen Johann Friedrich und Philipp es gesche-hen, daß für sie um Frieden gebeten ward, und erhielten einerücksichtslose, schnöde, schimpfliche Antwort. Der Kurfürst,schon lange durch die Rüstungen des Herzogs Moritz beunru-higt, durch dessen Anträge, daß er die sächsischen Kurlande zumSchutz gegen die in Böhmen sich sammelnde Macht des KönigsFerdinand besetzen wolle, gereizt, und dadurch in seinen Un-ternehmungen gegen den Kaiser gelähmt, ward jetzt aufs tiefsteerschüttert, da die Botschaft kam, der Herzog sei mit der Erklä-rung, daß er auf kaiserlichen Befehl die Reichsacht zu voUstreckenhabe, zugleich aber noch immer unter dem Vorwände, daß erdie erbverbrüderten Stammlande gegen die eindringende feindliche IMacht verwahren wolle, wirklich zu Anfänge des Novembers indas kurfürstliche Gebiet eingebrochen, und habe gewaltsam eines !großen Theils desselben sich bemächtigt. Da eilte Johann Frie-drich, während auch der Landgraf Philipp ungesäumt heimkehrte,in raschem und rastlosem Auge zur Vertheidigung und Wieder-eroberung seiner Besitzungen, und gewann nicht nur diese in ei- inem beschwerlichen Winterseldzuge ungemein schnell, sondern be-mächtigte sich auch des größten Theils des herzoglichen Gebiets.
So war Sachsen der Kriegsschauplatz geworden. Nach diesenErfolgen versammelten sich die evangelischen Fürsten zu neuenBerathschlagungen, was weiter zu thun sei. Auch Melanch-thon ward dazu «ungeladen, sah aber klar voraus, daß seine Ge-genwart unnütz sein würde, und wie er überhaupt ungern in po-litische Angelegenheiten sich verwickelte, bat er, ihm die Reise zuerlassen. Jndeß erkauften die süddeutschen Bundesgenossen vomKaiser den Frieden, zum Theil mit großen Opfern; der ehrwür-dige Kurfürst von Cöln mußte der Gewalt weichen und derRegierung entsagen; cs war vorauszuschen, daß nun der lang-