Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
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IN seinen später» Lebensjahren.

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Schrift:vom Ansehen der Kirche"*), in welcher er Jrr-thümer und Mißbräuche mit solcher Frcimüthigkeit rügte, seineMeinung so unumwunden ausspcach, daß Manche damals ihneiner übergroßen Verwegenheit beschuldigten. Andere einem hefti-gem Unwillen über ihn sich Hingaben. So bezeugen auch seinedamals öffentlich gehaltenen Reden, obwohl sie das Gepräge sei-ner bekümmerten Seele an sich tragen, und die rechte Glaubens-freudigkeit vermissen lassen, doch eine unerschütterliche Ueberzeu-gungskraft, und beurkunden es, daß die Noth der Zeit ihn wohlbeängstigen, aber nicht zur Vcrläugnung, oder auch nur zur Ver-heimlichung seines Glaubens verleiten konnte. Fortwährend er-kannten auch die erleuchtetsten Zeitgenossen ihn als ein so aus-crwähltes Werkzeug Gottes zur Erforschung und Ausbreitung derheilsamen Erkenntnis, daß Viele seinen Umgang suchten, Wochenund Monate lang nur um Seinetwillen in Wittenberg weil-ten, oder mit ihm in Briefwechsel traten, und der Belehrungsich freuten, welche er eben so anspruchslos, als freigebig undunermüdet mittheilte.

Indes fand kein friedlicher Rath mehr den wünschenswerthenEingang; unabweisbar nahte die lange gefürchtete Entscheidung.Am 20. des Julius 1546 wurden durch kaiserliches Decret dieHäupter des schmalkaldischen Bundes für Rebellen er-klärt, mit der Rcichsacht belegt, mit der unausbleiblichen Züch-tigung bedroht, ihre Unterthanen des Eides der Treue und desGehorsams entbunden. Jetzt war für die Evangelischen die Zeitzum Handeln gekommen; selbst wer den Krieg zuvor nicht ge-wollt, rieth ihnen nun dazu, empfahl ungesäumten Angriff; dran-gen sie eilend nach Regensburg vor, wo das kaiserliche Feld-lager zu kräftigem Widerstand noch nicht gerüstet war, so konn-ten sie die vortheilhaftcstcn Bedingungen erzwingen. Aber manversäumte den günstigen Augenblick; es fehlte an Entschlossenheit,an Eintracht und an Geld; man wies jede Vermittelung zu-rück, und zögerte doch, durch den Kampf das nahende Unheilabzuwenden, besonders weil der vordem so rüstige, aber seit dasUnrecht seiner Doppelehe auf ihn lastete, befangene LandgrafPhilipp unsichern Berechnungen sich hingab, und zur Unzeit

*) Oe ecelesiae anctoritnte et veterum seriptis ins Deutsche über-setzt von Justus Jonas. Es ist Ließ eine vollständigere Aus-führung der Schrift vom I. 1539: <le eedesia et sncturitateverbi tüviin, welche er auch seinem Commentar über den Briefan die Römer 1540 cinverleibt hatte.