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Philipp Mclanchthon
hasten Entscheidung der Waffen vorziehen. Indem er weniger dieoft trügerischen Lehren der Politik und Weltklughcit, als dieStimme des Evangelium befragte, indem er Alles aus diesemGesichtspunkte betrachtete, und dabei die sichcrleitenden Zeugnisseder Geschichte und Erfahrung ins Auge faßte, mochte sein Ver-stand wohl in der Anwendung derselben auf die vorhandenen Ver-hältnisse irren, um so leichter, als seine hypochondrische Aengst-lichkeit ihn oft befangen machte, aber seine christliche Gesinnungbewahrte sich in solchen Rathschlägen nicht minder als in seinemHandeln. Jetzt schreckte ihn auch das traurige Schicksal des edlenKurfürsten Hermann von Eoln, der für seine weisenMaßregeln zur Kirchenverbefferung in seinem Eczbisthum von demfanatischen Klerus angcklagt, geschmäht, verfolgt, vor geistlichesund weltliches Gericht geladen, bei den schmalkaldischen Bundes-genossen keine andre Hilfe fand, als eine dcmüthige, aber ver-geblich an das Reichsoberhaupt gerichtete Fürbitte, und dem Zorndes Kaisers, der unversöhnlichen Rache des Papstes Preis gegebenblieb. Was war zu hoffen, wenn so vielleicht ein evangelischerFürst nach dem andern, was gar nicht unwahrscheinlich war,durch List und Gewalt unterdrückt, und außer Thätigkeit gesetztward, und wie viel sichrer schien es, daß man Alles aufböte,um Karl den Fünften, der wenigstens nicht verfolgungsfüchtig,öfters der Reformation nicht abgeneigt sich gezeigt hatte, zu be-gütigen! Dieß gebot auch jene Pietät, welche, die alten, freilichauch damals schon tieferschütterten Grundsätze des deutschen Staats-rcchts und der deutschen Treue standhaft bewahrend, und dasVerhältnis der Reichsstände gegen den Kaiser, dem der Vasallengegen ihren rechtmäßigen Lehnsherrn völlig glcichachtend, ein be-waffnetes Auftreten der Fürsten gegen ihr Oberhaupt, obwohldieß längst nicht mehr etwas Unerhörtes war, für Aufruhr undEmpörung halten, und darum verabscheuen mußte. So sprachdenn auch hier Melanchthon's Loyalität wenigstens eben sostark, als seine Zaghaftigkeit sich aus, und ist über jeden Zwei-fel erhaben, obwohl zugestandcn werden muß, daß der Waffen-kamps für die edelsten, theuer errungenen Güter jetzt nicht mehrzu vermeiden war.
Wie wenig aber der edle Mann, der immer nur zur Ver-söhnung und zum Frieden rieth, gemeint sein konnte, dem heißersehnten Frieden die Wahrheit zum Opfer zu bringen, oderum drohender Gefahr willen seine Ueberzeugung zu verläugncn,das bewies er auch durch die um diese Zeit neu erschienene