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Philipp Mclanchthon
einmal den Beistand oder irgend eine Mitwirkung der kathvilischen Stande in Anspruch nahm. Dabei vermied er sorg-fältig jeglichen Anschein, als beabsichtige er einen Religionskrieg,oder als habe das, was er lediglich zur Züchtigung widerspen-stiger Reichsstande zu unternehmen schien, die Absicht, mit Ge- iWalt in die kirchlichen Angelegenheiten einzugreifen. Damit hoffteer, wenigstens den furchtsamem oder friedlichem Theil der Evan-gelischen bis zur weitem Entwickelung seiner Absichten von der !Theilnahme am Kampfe abzuhalten, und in der That war eSihm auch jetzt nicht bloß darum zu thun, die Kircheneinheit, dieallerdings auch ihm als ein unantastbares Dogma galt, wiederherzustellen, oder die protestircnden Gemeinden zum Gehorsam ge-gen den Papst zurück zu führen. Aber zu seinem tiefen Nerdrußsäumte Paul tll. nicht, gerade dieß als den Zweck des Kriegesheraus zu stellen; froh, daß endlich das Schwert die neue Lehre,welche weder durch die Disputirkunst römischer Theologen, nochdurch den Bannstrahl überwunden werden konnte, unterdrückensollte, und eifrig bemüht, den Kaiser dergestalt zu binden, daßer nicht mehr zurückgehen könne, eilte er, laut genug zu ver-kündigen, es sei an der Zeit, die heilige Religion an den ^Ketzern zu rachen, und die apostolischkatholische Kirche gegen dieAbtrünnigen zu vertheidigen; dazu habe er ein Bündniß mit demKaiser geschloffen, dazu aus St. Peters Schah reiche Unterstützunghergegeben, und Steuern aus den spanischen Klostergütem bewil-ligt; dazu solle nun die ganze Christenheit mit ihrem Gebet be-hilflich sein, und, wer es vermöge, die Hand bieten, wofür voll-kommener Ablaß feierlich zugesagt ward. Dergestalt predigte dieungestüme Bulle, deren Kundmachung von Rom aus man sichsehr angelegen sein ließ, einen allgemeinen Kreuzzug gegen diedeutlich genug bezeichncten Ketzer.
So ungelegen dieß dem Kaiser war, so mächtig regte desPapstes Feldgeschrei und die drohende Kriegserklärung die Evan-gelischen auf. Sie schienen plötzlich aus vieljährigem Schwankenund Zögern zu erwachen; rasch, besonnen, entschlossen rüstetensie sich, und unerwartet schnell hatten sie eine bedeutende Kriegs-macht aufgestellt. Nun aber entstand die Frage: ob man dem §Angriffe des Kaisers zuvorkommen, oder nur zur Vertheidigung ^gegen denselben gerüstet bleiben sollte? Gewohnt, um ihr Ge-wissen zu beruhigen, auch in solchen Angelegenheiten den Rathder Theologen, vornehmlich der Wittenberger, zu vernehmen, !forderten die Fürsten von diesen auch jetzt ein Gutachten. Die-