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6 (1830)
Entstehung
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in seinen später» Lebensjahren.

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gefunden, mit immer neuen Banden an einander knüpft, undin gemeinsamen Gefahren, Kämpfen und Siegen sich befestigt,solche Freundschaft bestand unwandelbar zwischen den beiden ehr-würdigen Häuptern des Reformationswerkes, und es gab Zeiten,wo sie wahrhaft Ein Herz und Eine Seele waren. Aber csblieb in ihrem Verhältnisse etwas Ungleiches, was einer zärtli-chen Freundschaft, wie sie etwa gleichgestimmte Jünglinge fürsganze Leben verbindet, fremd ist*); Luther liebte seinen Me-lanchthon, wie ein trefflicher Vater den trefflichen Sohn, andessen musterhaftem Leben und wohlthätigem Wicken er seineFreude hat, dem er selbst in manchen Stücken eine Ueberlegcn-heit freudig zugestcht, der aber gleichwohl noch der Leitung, Kräf-tigung und Ermunterung bedarf, und nicht füglich sich selbst über-lassen werden kann; Melanchthon liebte den heldenmülhigenLuther wie ein bescheidener Sohn den bewunderten Vater, demec in Allem den Vorrang einräumt, dessen Meinung, Rath undWille überall, und in schwierigen Fällen selbst gegen die eigneNeigung und Uebeczeugung entscheidend ist, dem er aber einigeHärte und Schärfe Nachsehen, dessen Ungestüm und Unbeugsam-keit er ertragen muß. Wie Luther in diesem Bunde das männ-liche, Melanchthon das weibliche Princip darstellte, Letztereraber eben darum als Mann in einer etwas gedrückten Stellungsich fühlte, so war seine aufrichtige Liebe zu Jenem nicht frei vonFurcht, und in manchen Zeiten konnte hinwiederum Luther'sargloses Gemüth einiges Mißtrauen, welches Melanchthon'sZaghaftigkeit und allzu weiche Nachgiebigkeit ihm einflößte, nichtunterdrücken. Furcht und Mißtrauen aber sind nicht in der völ-ligen Liebe, und hindern überall jenen vollen Einklang der Ge-müther, welcher der wahren Freundschaft wesentlich eigen ist.Ueberdieß war der vielgeplagte Luther in seinen letzten Jahrenetwas eigensinnig und mürrisch geworden; es schlich sich auchbisweilen einige Eifersucht und Säure in das edle Gemüth desalten Mannes ein; er war daher nicht immer leicht zu tragenund nahm um so mehr Geduld in Anspruch, als seine natür-liche Heftigkeit noch oft aufbrauste. Eben darum wendeten indieser spätern Zeit manche seiner Freunde und Verehrer sich vonihm ab; nur Melanchthon blieb ihm immer gleich treu, ge-duldig nachgebend, vermittelnd, und erwies ihm, ungeachtet der

*) Melanchthon gestand später in einem vertraulichen Briefe, er habefast sklavisch Luther'n sich untergeordnet.