Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126 Philipp Mclanchthon

rer der Partei sein, der er zwar mit ganzer Seele anhing undmit allem Flciße diente, die er aber noch immer nicht einmalgern als getrennte Partei betrachtete, vielmehr mit den Gegnernzu versöhnen, und wenn diese nur die freie Predigt des Evan-gelium Massen, die ärgerlichsten Mißbrauche abstellen wollten, mitder alten Kicchcngemeinschaft wieder vereinigt zu sehen herzlichwünschte. Er mochte sich nicht bergen, welche schwere Anforde-rungen jetzt an ihn ergingen, welcher Kampf ihm bcvorstehe, unddie Sorge um die öffentlichen Angelegenheiten bekümmerte ihndergestalt, daß sie das schmerzliche Gefühl seines persönlichen Ver-lustes, den er durch die Trennung von seinem ehrwürdigen Freundeerlitten, überwältigte. Daher mag es auch kommen, daß diesesGefühl in der bei Luther's Leiche gehaltenen Rede nicht sostark hervortritt, wie man erwarten sollte, und daß er demselbennur in der lauten Anerkennung der großen Gaben und VerdiensteLuther's genugthut.

Sein Schmerz scheint aber auch dadurch etwas gemindertworden zu sein, daß gleichzeitig die Besorgnis, welche Luther'soft rascher Eifer und kühner Muth in manchen bangen Stun-den dem sorglichen und friedlichen Mitarbeiter eingeflößt hatte,verschwand. Wie er noch immer die Hoffnung auf eine endlicheVersöhnung der streitenden Parteien und auf die Wiederherstel-lung des Kirchenfriedens hegte, so schien ihm nun vielleicht einHinderniß derselben himveggenommcn, und in der damaligen ge-fahrvollen und ängstigenden Zeit mocht' er darin eben so sehr,als in der Erlösung des vielangefochtenen Freundes aus seinemheißen Kampfe, einigen Trost finden, welcher die Bitterkeit sei-ner aufrichtigen Trauer mäßigte. Man kann sich auch nicht ber-gen, daß die große und tiefbegründcte Verschiedenheit Beider, un-geachtet ihrer gegenseitigen Liebe und ihrer offenkundigen Ueber-einstimmung in Glaubensansichten, in der Gesinnung, im Stre-ben, dennoch eine Schranke zwischen sie stellte, die wohl in Stun-den der Begeisterung, der rückhaltlosen Hingebung, des gemein-samen Kampfes wider Jrrthümer und Mißbrauche verschwand,aber von Zeit zu Zeit immer von Neuem hervortrat, und dieMelanchthon's eben so zaghaftes als zartes Gemüth tieferempfand, als der freisinnigere und hochherzigere Luther. Die-jenige Freundschaft, welche aus gegenseitiger Hochachtung undVerehrung, aus bewußter Verwandtschaft der Ueberzeugung undLcbensrichtung, aus dem gemeinsamen Wirken für Eine erhabeneAngelegenheit entspringt, edle Gcmüther, wenn sie sich einmal