Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
121
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Auslegung des einundfunfzigstcn Psalms.

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strafe mich nicht in Deinem Zorn" (Ps. 6, 1.); undJeremias:Züchtige mich, Herr, nicht in DeinemGrimm, auf daß Du mich nicht aufreibest;" und Ha-bakuk ruft:Gedenke in Deinem Iorne Deiner Barm-herzigkeit."So Du willst, Herr, Sünde zurech-nen, Herr, wer wird bestehen?" (Ps. 130, 3.)

Daß meine Zunge Deine Gerechtigkeit rühme,"d. h., ich will Dich rühmen, daß Du gerecht bist und gerechtmachst; ich will bekennen, daß Du der Richter bist und dieSünde strafst; ich will auch bezeugen, daß wir aus Barmherzig-keit von Dir begnadigt und gerechtfertigt werden, und daß wirnur, indem Du uns rechtfertigst, gerecht sind, nicht aber umdes Gesetzes, oder um unserer Würdigkeit willen.

Herr, thue meine Lippen auf!" Der wiederholteAusdruck seiner dankbaren Gesinnung, nach welcher er die Lehreauszubreiten versprochen hat:Ich will die Uebelt HalerDeine Wege lehren" u. s. w. Denn das soll der Haupt-zweck jeder Erlösung sein, daß die Erlösten als Zeugen der er-barmenden Nahe Gottes dastehen, und wissen sollen, daß sieeben darum errettet werden, damit für die Kirche Lehrer übrigsein sollen, und Gott in der ausgebreiteten Lehre angerufen undgepriesen werde, nach dem Worte:Ich werde nicht ster-ben, sondern leben und des Herrn Werk verkündi-gen." Damit dicß geschehen und mit Erfolg geschehen könne,bedarf es des Beistandes Gottes, wie der Herr spricht:Ichbin der Weinstock; ihr seid die Reben." (Joh. 15, 5.)Deswegen fleht er um Hilfe und bittet, daß Gott die Stimmedes Lehrenden regieren, und durch dieselbe wirksam sein möge.Weil es aber auch andere Zeichen des Bekenntnisses gibt, näm-lich Opfer, so redet er auch davon, und beseitigt zuerst die fal-schen Vorstellungen von den Opfern, und unterscheidet äußere Ce-remonieenopfer, und Opfer des Geistes.Denn Du hastnicht Lust zum Opfer; ich wollte Dir es sonst wohlgeben." Wie verträgt sich dicß? Das Gesetz hat Opfer ge-boten; der Prophet aber lehrt das Entgegengesetzte, nämlich,Gott wolle keine Opfer haben, und Brandopfer gefielen Ihmnicht, und setzt doch wieder gleich darauf hinzu:Dann wirdman Farcen auf Deinem Altar opfern." Dieser schein-bare Widerspruch löst sich also: Der erste Satz in dieser oftwiederkehrenden Lehre ist: Gott will nicht, daß diese Opfer inder Meinung dargebracht werden sollen, daß sic ein wirklicher