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6 (1830)
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Auslegung des sechzehnten Psalms.

Er dankt für die Ihm zu Theil gewordene Errettung, w!edenn in den Psalmen die Bitte und die Danksagung öfters soin einander verwebt werden, weil die Psalmen nach erlangterErrettung, oder nach der Gewährung derselben gefertigt wurden.Ich lobe den Herrn, der Mir gerathen hat," derMein Berather gewesen ist, d. h., Ich will dem Herrn danken,Ihn preisen und rühmen, daß Ich durch göttliche Macht erret-tet worden bin. Danken, heißt mit Herz und Mund bekennen,daß man von Jemand eine Wohlthat empfangen habe, demsel-ben die Ehre geben, daß es Sein Geschenk sei, und nicht einVerdienst sich zueignen, was Verdienst eines Andern ist. DasBestreben, Jedermann das Seine zu gewahren, ist Gerechtigkeit;die Dankbarkeit ist Gerechtigkeit; sie möchte die empfangene Wohl-thar dem Geber vergelten, und Gott hat dem menschlichen Ge-schlechts den Begriff der Dankbarkeit und der Undankbarkeit ein-geschaffen, weil Er will, daß diese Tugend der Gerechtigkeit immenschlichen Thun hervortreten und fleißig geübt werden soll. Sosollen die Kinder erkennen, daß sie das Leben zunächst Gott,und dann den großen Mühen und Schmerzen der Acltern zu ver-danken haben. Wer kann sich von den großen Mühen undOpfern einer Mutter, schon in den drei ersten Jahren der Kin-der, und nicht von ihren Mühen nur, sondern vornehmlich vonden damit verbundenen Gefühlen und Sorgen des mütterlichenHerzens, nur eine Vorstellung machen? Wer diese Mühen undAnstrengungen, diese zärtlichen Muttersorgen leichtsinnig verach-ten könnte, welche Rohheit und Verwilderung, welche häßlicheSinnesart würde er verrathen! Einen Jeden verletzt die Undank-barkeit, und wir sind Alle undankbar! Beherzigt die göttlicheOrdnung: Gott will, daß wir dankbar anerkennen sollen, woheruns Wohlthaten kommen. So heißt es auch im Psalm:Ich lobe den Herrn," d. i., ich will es dankbar rühmen,daß die mir zu Theil gewordene Rettung das Geschenk des all-mächtigen Gottes ist. Der Messias hätte, wenn Er nicht Gottwäre, jenes Leiden nicht tragen können, weil kein erschaffenesWesen den Zorn Gottes ertragen kann.

Der Mir gerathen hat," der Mein Herz durch Sei-nen Rath geleitet, und Mich bestärkt, befestigt hat. So schließenoft die Wörter, die zunächst ein Erkennen ausdrückcn, zugleichden Begriff der Gesinnung ein. Der Rathzebec bestärkt, ermu-thigt, kommt zu Hilfe. Er will sagen: Ec hat in Mir Gott-vertrauen und Gotteserkcnntniß erhalten, und darin Mich gekraf-