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Auslegung des sechzehnten PsalinL.
I lene Loos, d. h., noch einem rhetorischen Begriffswechsel, das was
f mir durch's Loos zu Thcil wird. So heißt es in einer andern
^ Stelle: „Die Du Mir gegeben hast, die habe Ich be-j wahret in Deinem Namen, und ist Keiner von ih-r nen verloren." (Joh. 17, 12.) Diese Worte stimmen ganz
^ mit denen unsers Psalms überein. Solcher Zeugnisse wollen wir
, uns erinnern, die so offenbar aussprechen, daß die Kirche in alle
Ewigkeit erhalten werden soll. Hierauf hat ebenfalls jene Ec-j klärung des Herrn Bezug: „Mein Leiden ist nicht ohne Absicht,sondern um der Kirche willen, und zum Heil der Kirche über-, nehme ich dasselbe. (V. 1. 2.)
> „Das Loos ist Mir gefallen aufs Lieblichste." Dashebräische Wort bedeutet, ein Seil, eine Meßschnur, weil die- Ländereien nach der Meßschnur ausgemefsen und vertheilt wur-
den. Der Sinn ist: Der Mir zuerkannte Thcil ist ein herrli-§ eher trefflicher Theil. Also erklärt Er es bald selbst. Ueberhaupt
I kommt es in den Psalmen sehr häufig vor, daß zuerst ein bild-
I lichec Ausdruck gebraucht, und derselbe dann durch die eigenthüm-
lichen Worte erklärt wird. So Psalm 68, 10. 12: „Du gibsts einen gnädigen Regen Deinem Ecbtheil." Dieses Bildl erklären die folgenden Worte: „Der Herr gibt das Wort Evan-gelisten." Doch wie in den Psalmen, so findet sich auch in dens Propheten diese Darstellungsweise. Ueberhaupt liegt in den Psal-
k men, wenn man sie nur recht auffaßt, hohe Schönheit. Sie
L sind keineswegs ein geschmackloses, ungeregeltes Gemisch, wofür
s sie Manche erklären, die gegen die Lehre der heil. Schrift ein-
l genommen sind. Vielmehr sind die Gedanken aufs beste gcc 'd-
net, und im reizendsten, lieblichsten Gewände dargestellt. Soheißt denn die Figur in unsrer Stelle: Mein Loos, der mir zu-gefallene Theil, ist ein kostbarer, wcrthvollcr Theil. Daran schlie-ßen sich die Worte: „Mir ist ein schönes Erbtheil ge-worden," d. h., Ich habe ein auserlesenes Erbtheil; Ich habeMeine Kirche im menschlichen Geschlecht; — gleichsam die Blühteder Menschheit: „Ich will Mir Meinen Theil aus dem Mcn-^ schengeschlechte auslesen." Laßt uns bedenken, welch ein Glück
l es ist, zur Gemeinschaft der Kirche berufen zu sein! Es ist eine
, hohe, unaussprechlich wichtige Sache. Und das eben ist der erste
! Theil des Psalms: Das Gebet, nebst der Angabe der Ursache,
! warum Er leide, und für wen Er bitte. Es folgt der zweite
! Theil, der ein Dankgebet, nebst einer Darstellung der Art und
j Weise der Errettung enthält.