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6 (1830)
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Auslegung des sechzehnten PsalinL.

I lene Loos, d. h., noch einem rhetorischen Begriffswechsel, das was

f mir durch's Loos zu Thcil wird. So heißt es in einer andern

^ Stelle:Die Du Mir gegeben hast, die habe Ich be-j wahret in Deinem Namen, und ist Keiner von ih-r nen verloren." (Joh. 17, 12.) Diese Worte stimmen ganz

^ mit denen unsers Psalms überein. Solcher Zeugnisse wollen wir

, uns erinnern, die so offenbar aussprechen, daß die Kirche in alle

Ewigkeit erhalten werden soll. Hierauf hat ebenfalls jene Ec-j klärung des Herrn Bezug:Mein Leiden ist nicht ohne Absicht,sondern um der Kirche willen, und zum Heil der Kirche über-, nehme ich dasselbe. (V. 1. 2.)

>Das Loos ist Mir gefallen aufs Lieblichste." Dashebräische Wort bedeutet, ein Seil, eine Meßschnur, weil die- Ländereien nach der Meßschnur ausgemefsen und vertheilt wur-

den. Der Sinn ist: Der Mir zuerkannte Thcil ist ein herrli-§ eher trefflicher Theil. Also erklärt Er es bald selbst. Ueberhaupt

I kommt es in den Psalmen sehr häufig vor, daß zuerst ein bild-

I lichec Ausdruck gebraucht, und derselbe dann durch die eigenthüm-

lichen Worte erklärt wird. So Psalm 68, 10. 12:Du gibsts einen gnädigen Regen Deinem Ecbtheil." Dieses Bildl erklären die folgenden Worte:Der Herr gibt das Wort Evan-gelisten." Doch wie in den Psalmen, so findet sich auch in dens Propheten diese Darstellungsweise. Ueberhaupt liegt in den Psal-

k men, wenn man sie nur recht auffaßt, hohe Schönheit. Sie

L sind keineswegs ein geschmackloses, ungeregeltes Gemisch, wofür

s sie Manche erklären, die gegen die Lehre der heil. Schrift ein-

l genommen sind. Vielmehr sind die Gedanken aufs beste gcc 'd-

net, und im reizendsten, lieblichsten Gewände dargestellt. Soheißt denn die Figur in unsrer Stelle: Mein Loos, der mir zu-gefallene Theil, ist ein kostbarer, wcrthvollcr Theil. Daran schlie-ßen sich die Worte:Mir ist ein schönes Erbtheil ge-worden," d. h., Ich habe ein auserlesenes Erbtheil; Ich habeMeine Kirche im menschlichen Geschlecht; gleichsam die Blühteder Menschheit:Ich will Mir Meinen Theil aus dem Mcn-^ schengeschlechte auslesen." Laßt uns bedenken, welch ein Glück

l es ist, zur Gemeinschaft der Kirche berufen zu sein! Es ist eine

, hohe, unaussprechlich wichtige Sache. Und das eben ist der erste

! Theil des Psalms: Das Gebet, nebst der Angabe der Ursache,

! warum Er leide, und für wen Er bitte. Es folgt der zweite

! Theil, der ein Dankgebet, nebst einer Darstellung der Art und

j Weise der Errettung enthält.