10 ? Auslegung des sechzehnten Psalms.
glänzend auch ihr Gottesdienst sei, welchen harten Prüfungen sichauch Manche derselben unterziehen mögen, — ich achte nicht der-gleichen Nichtigkeiten." Es gibt unter den Muhamedanern vieletreffliche Männer, die auch ihren Gottesdienst üben; dennoch ge-fallen sie Gott darum noch nicht. Dasselbe gilt von den Uebri-gen. Ich rede hier nicht nur von jenem Zurschautragen derReligion in äußcrm Prunke, wie z. B. einer unter den römi-schen Kaisern (und es mag dieß wohl öfter geschehen sein,) einedreifache Hekatombe, nämlich 100 Löwen, 100 Adler und 100Stiere den Göttern opferte; cs war das ein lächerlicher Pomp,nicht Frömmigkeit. Plato sagt: Die Gottheit will auf eine wahr-haft würdige Weise, d. h., nicht durch äußere Dinge, sonderndurch richtige Vorstellungen von ihr, und durch lautere Gesin-nung, nicht aber lediglich durch äußere Gebehrden verehrt sein;und das Gesetz des Aaleukus *) sagt, man müsse Gott durchWahrheit und Gerechtigkeit, nicht durch pomphafte Schauspieleverehren. Wenn jetzt der Meßpriester das Hochamt hält, da gibt'sein großes Schauspiel; da wird den Augen der Leute ein großesGepränge vorgemacht. Dieß Alles umfaßt Ec in den Worten:„Ich will ihres Trankopsers nicht opfern," d. i., Ichwill ihre Opfer nicht annchmen. Ein Trankopfer war es, wennein Becher voll Wein, oder Blut, oder Wasser über das Opfer-thier oder jede andere zum Opfer bestimmte Sache ausgegossenwurde.
Nun kehrt Er zu Seiner Kirche zurück, und versichert, daßdie Kirche solle erhalten werden, und daß dieselbe um Seinet-willen erhalten werde: „Der Herr aber ist Mein Gutund Mein Theil;" denn das hebräische Wort, welches eigent-lich Becher, Kelch bedeutet, wird hier in der Bedeutung: einbestimmter, zugemesscner, zuerkannter Theil, genommen; ähnlichin den Worten: „Könnt ihr den Kelch trinken, den Ichtrinken werde" (Matth. 20, 22.)? wo es auch soviel ist,als: „„Mein sonderlich bescheiden Theil."" Es wird im gutenund Übeln Sinne, öfter im letztem, hier aber im guten Sinnegebraucht. Der Herr ist Mein Gut und Mein Theil, d. i., derMir beschiedene Theil ist ein Gegenstand der göttlichen Sorge;denn so erklärt Er Sich in der Folge selbst: „Du erhältstMein Erb theil;" d. i., die Kirche, eigentlich das Mir gesal-
*) Gesetzgeber der griechischen Kolonie Lokris in Großgricchenland,
um das Lahr 500 vor Christus.