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6 (1830)
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Auslegung des sechzehnten Psalms.

Gott und göttliche Wahrheiten anlangt, da ist sie voller Fin-stcrniß und Jrrthum. So sind im Allgemeinen in den Got-tesdiensten unter dem ganzen Menschcngeschlechte solche Spurendes Wahns, des vernunftwidrigen Aberglaubens zu finden. Auallen Zeiten bestehen abgöttische Kulten, wie verschieden sie auchin verschiedenen Zeiten genannt werden, weil zwischen der Ver-ehrung des Bakchus und dem Heiligendienst kein Unterschied ist.Außerdem haften auch stets die Zweifel der Akademie*) im mensch-lichen Herzen. Viele halten an stoischem Wahne fest, und über-aus groß ist die Menge der Epikurifchgesinnten, und der Kyklo-penahnlichen Barbaren. In Beziehung auf alle Diejenigen, welchein solchem Wahn beharren, heißt es:Aber Jene, die ei-nem Andern Nacheilen." Ich verehre Dich, Gott, derDu im Evangelium Dich geoffenbaret, der Du mir Deine Zeug-nisse gegeben hast. Aber vielfach ist der Götzendienst,das Herz-leid," der Wahn anderer Gesellschaften; dergleichen der Wahndes Muhamedismus, des Heidenthums, und der abergläubischeWahn in dem Theile der menschlichen Gesellschaft ist, welche sichvorzugsweisedie Kirche" nennt; wie denn der Papst, unddie, so sich zu ihm halten, sich die Kirche nennen. Alle diese,sie haben Namen wie sie wollen, eilen nicht zu dem Gott hin,der sich geoffenbaret hat, und beachten nicht, wie derselbe sichgeoffenbaret hat:Sie gehen nicht nach Meiner Stimme, son-dern eilen und nehmen ihre Zuflucht zu andern Gottheiten, su-chen andern Trost und andere Hilfe." Wie Er also vorher fürdie Kirche gebetet hat, so spricht Er nun den Fluch über dieGotteslästerer aus. Es ist dieser Fluch eben so traurig, als das'vorhergehende Gebet:An denen Hab' Ich all' MeinGefallen sie sind Meine Wonne; Ich Hab' daranLust und Freude," süß und erhebend war. Von diesen hin-gegen sagt Ec:Ich will ihres Trankopfecs mit demBlut nicht opfern, noch ihren Namen in MeinemMunde führen." Ein trauriges Wort!Für solche bitte Ichnicht, und nehme ihr Opfer nicht an."Wie großartig und

*) Die neuere Akademie, eine philosophische Schule im dritten undzweiten Jahrhundert vor Christus, auf den Grund der ältern Aka-demie, oder der platonischen Schule errichtet, chararterisirte sichdadurch, daß sic mit vieler dialektischer Kunst Zweifel gegen diebestehenden Ucberzcugungen hervorsuchte, und indem sie die Gewiß-heit der Vcrnunftcrkcnntniß auf bloße Wahrscheinlichkeit beschränkte,nicht selten an die Grunzen eines allgemeinen Skeptizismus streifte.