96
Am sechzehnten Sonntage nach Trinitatis.
du nun in großer Traurigkeit bist, wenn du dich von der gan-zen Natur ausgcstoßcn wähnst, so bist du dennoch Gottes Woh-nung, wofern du nämlich im Gebete Ihn ergreifst, nach demWorte: „Rufe Mich an in der Noch!" (Pf. 50, 15.)Diese Gewißheit der erbarmenden Nähe Gottes schließtzugleich die Gewißheit der Vergebung der Sünden und der Hilfeoder Linderung in sich. Es erfolgt dieß nach einem nothwendi-gcn Zusammenhänge. Jonathan ist fest überzeugt, daß Gottmit ihm ist, daß ihm alle seine «Sünden »ergeben sind; er em-pfindet, daß ihm der schwere Gang zum Tode erleichtert wird,zumal da er nicht, wie sein Vater, diese Todesart verschuldet hat,sondern nach einem besonder» Nathschluß Gottes auf diese Weifeder Erde entnommen wird. Hieran laßt uns noch einige Sprücheschließen: „Der Herr ist nahe Allen, die Ihn anru-fen." (Pf. 148, 18.) „Der Herr ist nahe denen, diezerbrochenen Herzens sind." (Pf. 34, 19.) Christusbekräftigt dieß durch Sein Beispiel. Er tröstet das Weib, undbestätigt durch die Wiederbelebung des Jünglings selbst die Wahr,heit der Verheißung. Dazu muß aber auch die Hoffnungder endlichen Befreiung von allem Ucbel kommen. Gottwill die Noth, die in der Zeit dich drückt, mildern, und endlichdich ganz frei von derselben machen und das ewige Leben dirertheilen. Jonathan weiß, daß ec in das ewige Leben hinübergeht. „Dieß ist ein rechter Trost," weil der Gegenstand dessel-ben ein unbedingtes, und zugleich ein dauerndes, unvergänglichesGut ist. So versichert auch Hiob, daß zu Gott seine Hoffnungstehe, auch wenn Er ihn tödtcn sollte. (Hiob 30, 23, vergl.19, 25.) An diese wahren christlichen Trostgründe mag mannoch anschließen das Beispiel: Wenn Christus Leiden erduldethat, so wollen auch wir dulden und tragen wie Er. Fernerdie Endabsichten: Wir wollen zur Ehre Gottes der LeidenBürde tragen, damit Gott erkannt und verherrlicht, und derNächste durch unser Beispiel befestigt werde, ja damit auch wir,wenn wir in den Tagen der Noth zu Gott beten, Ihn im-mer vollkommener erkennen. Endlich noch die Vergleichungmöglicher Fälle in der Zukunft: Wäre Jonathan nicht injener Schlacht umgekommen, so würde er vielleicht wegen desKönigsthrons mit David in Streit gcrathen und darin umge-kommen sein. Gott beschloß, ihn gnädig hinweg zu nehmen,um ihn vor einem solchen Ende zu verwahren. Denn es wür-den ohne Zweifel ränkevolle Verleumder Eifersucht und Zwietracht