Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

Um sechzehnten Sonntage nach Trinitatis.

Des Weisen Würde überstrahlt das Ungemach."sagt der Vers, und Aristoteles spricht:Das Schöne leuchtetim Unglück." David laßt sich durch die Verbannung nicht ausseiner innecn Haltung werfen; er legt nicht, wie Saul, die Handan sein Leben, sondern handelt in Allem, wie es dem wahren j

Manne geziemt. Mit Ruhe und Fassung erwartete Sokrates !

den Tod. ^

Der dritte Quell der philosophischen Trostgründe ist das !

gute Gewissen. Dieses ist ein großer Trost, wahrend hin- l

gegen das böse Gewissen das Ucbel verdoppelt. Die äußere Noch I

ist an sich schon ein Ucbel; aber es tritt noch ein inneres Uebelhinzu, nämlich die Gcwissensqual, welche das Wesen des ewigenTodes ausmacht. Trefflich sagt der Dichter: s

Wahrlich es hat einen Werth, im Unglück ledig der Schuld sein."

Denn wie Jeglichem ruhet im Innern der Thatcn Bewußtsein,"

So empfindet im Busen die Furcht er, oder die Hoffnung."

sOvill. I. 484.)

Die vierte Trostquelle ist das Beispiel.Wenn Einerallein leiden soll, wird's zumal schwer;" wenn aber Viele leiden,so bestimmt uns die Gleichheit mit Andern, daß wir unsere Lastleichter ertragen, weil Gleichheit Gerechtigkeit ist. Das ist nunfreilich auch so ein Trost, wie ihn das Sprichwort hat: Einallgemeiner Schiffbruch ist für den Einzelnen Trost. Wenn einallgemeines Uebel kommt, dann fordert uns das Beispiel auf,unfern Schmerz zu mindern,wcnn's schon unsanfte thut."

Fünftens sucht die Philosophie Trost im Hinblick auf die iEnd ab sichten, nämlich, daß oft der Nachtheil des EinzelnenWielen zum Nutzen gereicht, wenn z. B. der Krieger im Kampfefür das Vaterland umkommt.

Der sechste Trostquell ist die Vergleichung möglicherFälle. Es ist besser, in der Schlacht fallen, als in schmählicheKnechtschaft gerathcn. Man vermeidet in dieser Welt kein Uebel,ohne andern Ucbeln und Nachtheilcu sich auszusetzen. Einer wähle,was er wolle, er gcrath dennoch in einige Widerwärtigkeiten.Man konnte noch einen siebenten Quell des philosophischen Tro-stes hinzusetzcn, nämlich die Hoffnung eines glücklichenAusgangs. Doch ist diese Hoffnung gar sehr unsicher undzweifelhaft. So heißt Theokrit den Vattus nur getrost hoffen,

Weil morgen vielleicht sich günstiger zeige das Schicksal."

Also sind alle diese Trostgründe nur klägliche Todtenlieder; ist ^kein rechter Trost, gibt kein Leben noch Freude."