Evangelium Luk. 7, 11 —17.
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einzigen Sohn. Er stirbt als Jüngling. Welchen Schmerz stej bei seinem Tode empfunden, das können nur Die sich verstellen,die selbst Acltern sind, und die heiße unaussprechliche Liebe derAcltern zu den Kindern kennen, welche in ihrer erhabensten Be-! deuttmg als ein Jeugniß von der Liebe Gottes gegen den Sohn,
> und gegen uns Menschen aufzufassen ist. Je größer aber die
Liebe der Acltern zu den Kindern, desto größer ist ihr Schmerz,wenn ste dieselben unglücklich, oder durch den Tod sich entrisseni sehen. Darnach ist die Größe des Schmerzes jener Mutter zu1 bemessen. Der Sohn Gottes wird dadurch in Seinem Innerstenbewegt, „es jammerte Ihn derselbigcn," sagt der Textl (das griechische Wort drückt das tiefinnerste Ergriffenseiu, das
! schmerzlichste Mitgefühl, das tiefste Mitleid aus), und Er sprach
zu ihr: „Weine nicht!" Dieß führt uns aus
! den Unterschied zwischen philosophischen und evangelischen Lrost-
L gründen bei dem Lode geliebter Menschen.
Wir finden der erstem viel bei Cicero, Plutarch und Seneka.
. Sie sind aber von den christlichen Trostgründen wohl zu unter-scheiden. Sechs Hauptgucllcn sind es vornehmlich, aus welchenj die Philosophie ihre Trostgründe entlehnt: Die Nothwendigkeit,
l der Tugcndwerth, das gute Gewissen, das Beispiel, die Endab-
sichtcn, und die Vergleichung möglicher Falle. Wenn Cicero Je-mand im Bürgerkriege tröstet, so schließt er erstlich von der Noth-wcndigkeit. „Das ist gleich, als wenn man einen Dieb anGalgen führet, so sagt man: Es kann nicht anders sein! Dasist ein jämmerlicher Trost. Es thut Einem so viel desto unsanf-ter, daß es also sein muß." Es wird jedoch dieser Trostgrunddeßwegen vorgetragen, damit wir nicht den Schmerz durch frucht-loses Widerstreben vermehren. „Beim Weinen und Klagen kommtNichts heraus," sagt Homer; das ist die Nothwendigkeit.Ein zweiter Hauptguell ist der Werth der Tugend. DerMensch soll in der Ueberzcugung handeln, daß die Tugend besser,als alle andern Güter ist, und deßhalb nicht gegen die Tugendhandeln. Cato, indem er sich entleibt, handelt gegen die Tugend,gegen die Gerechtigkeit; er hätte seinen Schmerz mäßigen müssen.Cicero sagt in Beziehung darauf, man müsse den Schmerz bre-chen, wenn er gegen die Tugend, gleich als gegen eine Klippeanstvße, d. h., der Mensch muß Gegenwart des Geistes auch beiwidrigen Umständen behaupten. Es ist schön, wenn der Menschmitten im Unglück Selenruhe sich bewahrt.