88 Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis.
wird ihm das Unglück nicht halb so schwer;" — aber „er redetdavon als ein guter Zechbruder." — Ihr seht, wie viel im Kran-ken Seelenstarke vermag, und wie sehr hingegen Sorge und Be-kümmerniß die Kraft des Herzens bricht, wenn wir uns, derVorschrift Gottes entgegen, peinigenden Besorgnissen überlassen.„Traurigkeit," spricht Sirach (30, 25.), „tödtet vieleLeute, und dienet doch nirgend zu." Wir sollen eben inder Noch Gott unfern Gehorsam bewähren, nach dem Worte:„Demüthiget euch unter die gewaltige Hand Got-tes" (1. Petr. 5, 6.), und nicht durch Hingabe in die Trau-rigkeit, oder durch Zweifel und Verläugnung des Glaubens un-sere Noch häufen. Davon redet hier Christus, und wenn Erhinzu setzt: „Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seineeigene Plage habe," so meinet Er damit, daß du in derGegenwart, in deinem Berufe getreu, die Erfolge Gott überlas-send, nicht „Uebel durch Uebel" vertreiben wollen, sondernan der gegenwärtigen Noch dir genügen lassen, und nicht nochmehr Uebel herbeiziehen sollst. „Es ist gemein, daß wenn Eineranhebt irre zu werden aus Sorge und Bekümmerniß, so thut erEins über das Ander." So will David, nachdem er die Gat-tin» eines Andern sich ungerechter Weise zugeeignet, diese Verir-rung verbessern, und läßt den Urias umbringen, damit die Sacheverborgen bleiben sollte. „Man soll's nicht inne werden; ja esist sehr wohl corrigiret!" — Nicht zu zählen sind die Verirrun-gen, zu welchen die Menschen wegen gehoffter oder gefürchteterMöglichkeiten sich hinrcißcn lassen, die doch nie wirklich werden.Drum soll eben ein Jeder in der Gegenwart thun, was recht ist,und sich weder durch thörichtcs Hoffen oder Fürchten von seinemBerufe oder irgend einem guten Vorhaben abziehen, noch seinenMuth in den Schmerzen gegenwärtiger Uebel untergehen lassen.Kämpfen sollst du vielmehr mit deinen Schmerzen, und dich auf-richtcn im Glauben an den Sohn Gottes, und überzeugt sein,daß Er für dich sorgt, daß Er am Steuer sitzt, und als Beschützerund Helfer mit in diesem Nachen ist. „Au allen Zeiten" sprichtJrenäus, „war „„das Wort"" bei dem Geschlecht der Men-schen." Stets ist Er der Hüter Seiner Kirche gewesen, wie Ecselbst spricht: „Niemand wird Mir Meine Schafe ausMeiner Hand reißen." (Joh. 10, 28.) Durch solchenTrost wollen wir uns bei den jetzigen Gefahren ermuthigcn, undauf dem Felsen, Christus, stehend, der Hilfe Gottes har-ren. —