82 Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis.
eine Stunde genießen werde. Solchen irdischen, fleischlichen, got-tesvergessenen Sinn rügt und tadelt diese Predigt Christi; sieenthalt aber auch auf der andern Seite wohlthätigen Trost füralle Die, welche Gefahren lund Mühen um Gottes willenbestehen. Endlich schließt sie einige wichtige Lebensregeln daran,indem sie mit den Worten endigt: „Trachtet am erstennach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtig-keit, so wird euch solches Alles zufallen." Und diesewollen wir kürzlich entwickeln. —
Es gibt eine gewisse Barbarei der Sitten. Sie ist Einsmit einem ungeregelten, unordentlichen Leben, welches zu dem ge-regelten, ordentlichen in einem Gegensätze steht, wie der Teufelzu Gott. In dem, was göttlich, ist Regel und Ordnung,es stimmt mit der Norm des Gesetzes überein; das Teuflischehingegen ist regellos, und außer der Norm der göttlichen Ord-nung. Diese Wahrheit ist ganz in dem Ausspruch begriffen:„Sünde ist Gesetzlosigkeit." Der Mensch soll nach Regel undGesetz leben. Gott hat aber dem Menschen eine Regel einge-schaffen; Er hat Seine Weisheit in ihn gesenkt, „daß sein Le-ben einer beharrlichen Regel unterworfen sei, daß er eine Ord-nung habe." Gott hat Alles nach Ordnung gemacht, gleicher-weise will Er, daß der Mensch nach Ordnung lebe, und hatihm zu dem Zwecke nicht nur ein natürliches Licht verliehen, son-dern dazu noch Sein Wort gefügt; Er hat Sich uns gcoffen-bart, und die Lehre des Gesetzes und des Evangelium uns ge-geben, „daß wir regularitec sein sollen, daß wir nicht hingchenwie ein Hund oder unflathig Wiehe; wiewohl das Wiehe dennochauch bei seiner Regel bleibet," nur daß ein Thier mehr, das an-dere weniger einer bestimmten Ordnung folgt. — Der Menschaber hat seine bestimmte Regel am Worte Gottes, und ausnatürlicher Erkenntnis. Das göttliche Wort soll sein die Leuchteunsrer Füße; durch das Wort soll das Leben geregelt werden.Das gehet auch die Jugend an, denn der Psalm spricht: „Wiewird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen?Wenn er sich halt nach Deinen Worten." (Pf 119, 9.)Es handelt dieser ganze Psalm von dem einen Gebote: DerMensch lebe nach Gesetz und Regel, und Regel soll ihm dasWort Gottes sein. Barbarei aber „heißt das unordentlicheWesen, das ihr in vielen Menschen sehet, das keine Weise undMaß hat." Sie ist etwas Teuflisches; denn der Teufel ist derUrheber der Unordnung und Verirrung; Gott hingegen will,