Am fünf;. Sonnt, nach Trinit. Evang. Matth. 6, 24— 34. 81
dich verfluchen." (1. B. Mose 12, 3.) „Wer dieserGeringsten Einen nur mit einem Becher kaltenWassers tränket, — wahrlich es wird ihm nicht un-belohnt bleiben!" —
Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis.
Evangelium Matth. 6, 24—34.
— nHn diesem Evangelium ist hohe Weisheit niedergelegt. Es istschier unmöglich, die Fülle der erhabenen Wahrheiten gebührendauszusprechcn, welche der Herr in demselben umfaßt hat. DieWeisheit Gottes redet hier. — Es verbreitet sich aber der In-halt unsers Textes zunächst über folgende, hochwichtige, die viel-fachste Anwendung im Leben findende Wahrheiten: Zuerst redet
er von der allgemein herrschenden Sorge um die sinnlichen Le-bensgüter, über welcher die Menschen die ewigen versäumen, undspricht in dieser Beziehung einen sehr schmerzlichen Vorwurf undTadel aus. Er enthält aber auch aus der andern Seite einensehr süßen Trost für die Frommen. Als der König Demetriusvon den Athcniensern den Göttern bcigezählt zu werden begehrte,traten Viele, welche durch diese entehrende Forderung sowohl, alsauch durch die niedrige Schmeichelei Derer, die ihr beistimmten,empfindlich gekränkt wurden, voll tiefen Unwillens solchem schimpf-lichen Ansinnen entgegen. Da sprach der Redner Dcmadcs zuden Athenern: „Sehet wohl zu, daß ihr nicht, indem ihr denHimmel vertheidigt, die Erde verliert." Das war das Wort ei-nes Höflings; aber wahrlich, cs ist dieß auch der gemeinsameWahn des größten Theils der Menschen, dem gemäß sie um desZeitlichen willen das Ewige hintansetzen. Nur geschieht das nichtauf eine und dieselbe Weise. Es ist aber zu beklage», daß derMensch, ein so armseliges, gebrechliches, schwaches Geschöpf, umso unzuverlässiger, flüchtiger Dinge willen, Gott nachsetzt, da erdoch nicht weiß, ob er den nächsten Augenblick noch leben, ob erdie zeitlichen Güter, wornach er vor Allem trachtet, in derenBesitz er sein Glück setzt, an denen sein Herz haftet, nur nochVI. 6